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Empfehlungen

Fachbücher

Neuerscheinung

MedAT Band 1+2 als Set

Lernskript für den BMS + KFF, TV und SEK

Deniz Tafrali, Paul Windisch, Sinan Barus & Flora Hagen

€ 91,50 · Elsevier

Wer in Österreich Medizin studieren will, kommt um den MedAT nicht herum.

Dieser gliedert sich in BMS (Basiskenntnistest Medizinische Studien) mit den Fächern Biologie, Chemie, Physik und Mathe und einen weiteren Teil, der die kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten (KFF), Textverständnis (TV) und sozial-emotionale Kompetenzen (SEK) abprüft.

Für alle, die sich gezielt auf den kompletten MedAT vorbereiten wollen, gibt es nun Band 1 und Band 2.

Kostenlos können alle User auf www.get-to-med.com zugreifen und sich dort z. B. über die MedAT-Prüfung, Statistiken, Kurse und unterschiedliche Lernpläne informieren sowie Übungsaufgaben absolvieren.

Für alle, die jetzt schon wissen, dass sie sich für den MedAT bewerben wollen und auch jetzt schon anfangen möchten zu lernen, gibt es das Package aus Band 1 und 2. Beide Lernskripte in einem Paket und mit günstigem Exklusiv-Zugang zur jeweiligen Online-Lernplattform.

Das bietet das Lernskript Band 1:

* Die Inhalte orientieren sich am aktuellen Themenkatalog des MedAT. Keine Sorge, auch wenn Du in dem einen oder anderen Fach kein Abitur oder keine Matura gemacht hast, mit diesem Skript kannst Du Dich optimal vorbereiten! Wir erklären Dir jedes Fach so, dass Du es verstehst.

* Den gesamten im MedAT geforderten Stoff in leicht verständlicher Form mit vielen Tipps, Merksprüchen und Eselsbrücken.

* Hilfreiche Abbildungen, die den Inhalt noch einmal prägnant veranschaulichen.

* Lernpläne, die Dir die Zeiteinteilung und das Lernen erleichtern. Du kannst zwischen einem 30-Tage- und einem 60-Tage-Lernplan wählen und diesen Band mit Band 2 gekoppelt lernen.

Das bietet das Lernskript Band 2:

* Eine umfassende Einleitung gibt einen allgemeinen Überblick über das Medizinstudium in Österreich und ganz Europa.

* Die 10 Schritte zum Studienplatz in Österreich: von der Ortswahl und grundlegender Planung über das eigentliche Lernen und die Anmeldung bis zum Prüfungstag – ein langer aber machbarer Weg ganz unter dem Credo „Niemals aufgeben"!

* Die Inhalte orientieren sich am aktuellen Themenkatalog des MedAT und sind gespickt mit neuesten Erkenntnissen und den erprobtesten Lösungsstrategien – keine Angst Übung macht den Meister und mit diesem Werk und der Online-Lernplattform kannst Du dich bestens vorbereiten!

* Viele Tipps, „Fun Facts" zur Auflockerung und einen tiefen Einblick in die Trickkisten der Autoren.

* Lernpläne, die Dir die Zeiteinteilung und das Lernen erleichtern.

Neuerscheinung

MedAT Humanmedizin/Zahnmedizin 2020/2021- Band 1

Das Lernskript für den BMS

Deniz Tafrali, Paul Windisch, Sinan Barus & Flora Hagen

€ 51,40 · Elsevier

Wer in Österreich Medizin oder Zahnmedizin studieren will, kommt um den MedAT nicht herum.

Dieser gliedert sich in BMS (Basiskenntnistest Medizinische Studien) mit den Fächern Biologie, Chemie, Physik und Mathe und einen weiteren Teil, der die kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten (KFF), Textverständnis (TV) und sozial-emotionale Kompetenzen (SEK) abprüft.

Du bereitest dich gerade auf den BMS des MedAT-H oder MedAT-Z vor? Dann ist Band 1 unserer Lernskripte perfekt für Dich, denn er enthält alles, was Du in den Fächern Biologie, Chemie (inkl. Biochemie), Physik und Mathematik wissen musst.

Kostenlos können alle User auf www.get-to-med.com zugreifen und sich dort z.B. über die MedAT-Prüfung, Statistiken, Kurse und unterschiedliche Lernpläne informieren sowie Übungsaufgaben absolvieren.

Für alle, die sich gezielt auf den kompletten MedAT vorbereiten wollen, gibt es nun Band 1 und Band 2. Die Lernpläne beider Werke sind aufeinander perfekt abgestimmt, so dass die Vorbereitungszeit in jedem Fall reichen wird!

Neu in der 2.Auflage: Vollständig korrigiert und aktualisiert. Ergänzungen nach dem aktuellen Themenkatalog und den letzten Prüfungsschwerpunkten.

Das bietet das Lernskript Band 1:

* Die Inhalte orientieren sich am aktuellen Themenkatalog des MedAT. Keine Sorge, auch wenn Du in dem einen oder anderen Fach kein Abitur oder keine Matura gemacht hast, mit diesem Skript kannst Du Dich optimal vorbereiten! Wir erklären Dir jedes Fach so, dass Du es verstehst.

* Den gesamten im MedAT geforderten Stoff in leicht verständlicher Form mit vielen Tipps, Merksprüchen und Eselsbrücken.

* Hilfreiche Abbildungen, die den Inhalt noch einmal prägnant veranschaulichen.

* Lernpläne, die Dir die Zeiteinteilung und das Lernen erleichtern. Du kannst zwischen einem 30-Tage- und einem 60-Tage-Lernplan wählen und diesen Band mit Band 2 gekoppelt lernen.

Neuerscheinung

MedAT Humanmedizin 2020/2021- Band 2

Das Lernskript für kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten, Textverständnis und sozial-emotionale Kompetenzen

Deniz Tafrali & Sinan Barus

€ 51,40 · Elsevier

Wer in Österreich Medizin studieren will, kommt um den MedAT nicht herum.

Dieser gliedert sich in BMS (Basiskenntnistest Medizinische Studien) mit den Fächern Biologie, Chemie, Physik und Mathe und einen weiteren Teil, der die kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten (KFF), Textverständnis (TV) und sozial-emotionale Kompetenzen (SEK) abprüft.

Du bereitest dich gerade auf den KFF-, TV-, SEK-Teil vor? Dann ist Band 2 unserer Lernskripte perfekt für Dich! Du bekommt das All-in-one-Paket für kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten (KFF), Textverständnis (TV) und sozial-emotionale Kompetenzen (SEK). Mit unzähligen Tricks und ausgeklügelten Lösungsstrategien, kann jeder in kürzester Zeit die komplexen Aufgabenstellungen dieses MedAT-Teils durchsteigen.

Kostenlos können alle User auf www.get-to-med.com zugreifen und sich dort z.B. über die MedAT-Prüfung, Statistiken, Kurse und unterschiedliche Lernpläne informieren sowie Übungsaufgaben absolvieren.

Das bietet das Lernskript Band 2:

* Eine umfassende Einleitung gibt einen allgemeinen Überblick über das Medizinstudium in Österreich und ganz Europa.

* Die 10 Schritte zum Studienplatz in Österreich: von der Ortswahl und grundlegender Planung über das eigentliche Lernen und die Anmeldung bis zum Prüfungstag – ein langer aber machbarer Weg ganz unter dem Credo „Niemals aufgeben"!

* Die Inhalte orientieren sich am aktuellen Themenkatalog des MedAT und sind gespickt mit neuesten Erkenntnissen und den erprobtesten Lösungsstrategien – keine Angst Übung macht den Meister und mit diesem Werk und der Online-Lernplattform kannst Du dich bestens vorbereiten!

* Viele Tipps, „Fun Facts" zur Auflockerung und einen tiefen Einblick in die Trickkisten der Autoren.

* Lernpläne, die Dir die Zeiteinteilung und das Lernen erleichtern.

Neuerscheinung

MedAT – Das Prüfungstraining für den BMS

Dein Schlüssel zum Medizinstudium

Paul Windisch & Jiyang Yu

€ 25,70 · Elsevier

Wer in Österreich Medizin oder Zahnmedizin studieren will, kommt um den MedAT nicht herum.

Du willst unbedingt Medizin oder Zahnmedizin in Österreich studieren und bereitest Dich gerade auf den Basiskenntnistest für Medizinische Studien (BMS) des MedAT-H oder MedAT-Z vor? Du bist auf der Suche nach Unterstützung bei Deiner Vorbereitung?

Dieses Prüfungstraining ist die perfekte Ergänzung, denn Prüfungssimulationen gibt es wie Sand am Meer, aber dieser Trainer hilft Dir, den Stoff, den Du bereits gelernt hast, anzuwenden, zu festigen und zu vertiefen. Damit steht Deinem Studium nichts mehr im Weg!

Lückentexte, Freitexte, Abbildungsdetails benennen, Grafiken, Strukturen oder Zeichnungen erstellen, Tabellen ausfüllen, Rechenaufgaben lösen, MC-Fragen beantworten … mit diesem Buch kann sich der zukünftige Medizin- und Zahnmedizinstudierende ganz gezielt auf den BMS vorbereiten und Bio, Chemie, Physik und Mathe üben – die optimale Ergänzung zum MedAT, Band 1.

Neuauflage (6. Auflage)

Der Mensch

Anatomie und Physiologie

Johann Schwegler, Runhild Lucius

€ 30,90 · Thieme

Sie machen eine Ausbildung im Pflegebereich oder in einem anderen Gesundheitsberuf und möchten den menschlichen Körper verstehen?

Lesen Sie dieses Buch und die Anatomie des Menschen kommt Ihnen nicht mehr lateinisch vor, denn wichtige medizinische Fachausdrücke sind im Text übersetzt und erläutert. Sie erfahren zudem, wie Krankheiten entstehen und wie Sie sie in der Pflege behandeln können. Im handlichen Format finden Sie dazu über 560 Farbbilder und 190 Infokästen. Testen Sie mit 200 Lernkontrollfragen, ob Sie fit für die Prüfung sind. Als Extras gibt es ein Lernposter "Anatomie" und einen Glossar mit Vokabeln.

Neuauflage (12. Auflage)

Pharmakologie und Toxikologie

Begründet von W. Forth, D. Henschler, W. Rummel

Klaus Aktories, Ulrich Förstermann, Franz Bernhard Hofmann & Klaus Starke

€ 101,80 · Elsevier

Ein Fach - ein Buch.

Das Standardwerk auf dem allerneuesten Stand! Finden Sie das gesamte Wissen zur Pharmakologie und Toxikologie auf über 1.100 Seiten. Auch in der 12. Auflage ein bewährtes, erstklassiges Lehrbuch für Studenten und ein begehrtes Nachschlagewerk für Ärzte und Pharmazeuten.

Informationen schnell und gezielt finden:
- Rund 700 Abbildungen erläutern auch komplizierte Zusammenhänge anschaulich, die Abbildungen sind zudem online verfügbar (Details hierzu siehe Benutzerhinweise im Buch).
- Zahlreiche Wirkstofftabellen geben einen umfassenden Überblick über die jeweiligen Substanzklassen.
- Das bewährte Farbleitsystem erleichtert den gezielten Informationszugriff.
- Farbige Kästen heben Empfehlungen zu Therapie und Dosierungen hervor.

In jedem Kapitel Zusammenhänge rasch erfassen:
- Gemeinsame Abhandlung von allgemeiner und spezieller Pharmakologie.
- Bezug zur Praxis durch Beschreibung von Wirkmechanismen und pathophysiologischen Zusammenhängen.

Ob zum Lernen, als Nachschlagewerk oder für ein fundiertes Verständnis der Grundlagen - diese Buch lässt keine Fragen offen!

Neuauflage (3. Auflage)

Duale Reihe Physiologie

Jan C. Behrends, Josef Bischofsberger, Rainer Deutzmann, Heimo Ehmke et al.

€ 61,70 · Thieme

Hier warten alle wichtigen Inhalte zur Physiologie auf dich – verständlich und kompakt nach dem 2-in-1-Prinzip:

Du bekommst ein ausführliches Lehrbuch zum vertiefenden Lernen und ein integriertes Kurzlehrbuch. Denn die Randspalte mit den Zusammenfassungen eignet sich hervorragend zur schnellen Wiederholung und gezielten Prüfungsvorbereitung. Dabei ist der komplette GK abgedeckt. Zahlreiche klinische Bezüge und vor allem die anschaulichen klinischen Abbildungen schlagen eine Brücke zu deiner späteren ärztlichen Tätigkeit. Spannende Fallgeschichten mit Kontrollfragen beleuchten physiologische Hintergründe verschiedener Erkrankungen.
Die 3. Auflage wurde vollständig aktualisiert und überarbeitet.
Jederzeit zugreifen: Der Inhalt des Buches steht dir ohne weitere Kosten digital in der Wissensplattform eRef zur Verfügung (Zugangscode im Buch). Mit der kostenlosen eRef App hast du zahlreiche Inhalte auch offline immer griffbereit.

Neuerscheinung

Wissens-Check Bürgerliches Recht Allgemeiner Teil

Peter Bydlinski

€ 27,00 · Verlag Österreich

Effizient lernen mit Karteikarten.

Vieles, was bei der Bearbeitung eines Falls wichtig ist, muss einfach gewusst werden: Was ist ein Schuldverhältnis? Was sind die Voraussetzungen einer Irrtumsanfechtung?

Mit dem Wissens-Check kannst Du kontrollieren, ob Du Dir wichtige Definitionen, Prüfungsschritte und Anfechtungsvoraussetzungen gemerkt hast oder diese erlernen. Aktives Abfragen statt passivem Lernen erhöht die Lerneffizienz, die ständige Wiederholung festigt den Stoff: Das Gehirn kann sich besser an das Gelernte erinnern.
Die Karten konzentrieren sich auf die Basics und damit auf das Grundwerkzeug zur Lösung komplexer Fälle.

Die Inhalte der Karteikarten sind kurz, klar und übersichtlich, die Beispiele schärfen das Verständnis. Das praktische Pocket-Format (DIN A7) ermöglicht ein Lernen überall.

Der Allgemeine Teil ist das Fundament des bürgerlichen Rechts. Er enthält die normativen Grundlagen des Personenrechts und der Rechtsgeschäfte. Behandelt werden etwa das Zustandekommen eines Vertrags, die Gültigkeitsvoraussetzungen eines Rechtsgeschäfts und die Stellvertretung.

Ihr Geschenk zum Wissens-Check - das "juskram"-Täschchen:
Das Karteikartensystem wird zusammen mit einem passenden Täschchen geliefert. Dieses wurde eigens für den Transport der Karteikarten von dem Wiener Designer Johannes Lerch entworfen und von Hand verarbeitet. Es ist aus ganz einem ganz besonderen Material, einem speziellen Kunststoffvlies: Sieht aus wie Papier, greift sich an wie Papier, ist jedoch reißfest, wasserabweisend und bei 40° waschbar. Damit steht dem Lernen in der Bibliothek, im Cafe oder an einem anderen Lern-Lieblingsplatz eigentlich nichts mehr im Weg!

Neuauflage (26. Auflage)

Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre

Günter Wöhe, Ulrich Döring & Gerrit Brösel

€ 33,90 · Vahlen

Der Klassiker. In mehr als fünfzig Jahren hat sich »der Wöhe« zum führenden Standardwerk zur Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre entwickelt.

Studienanfänger und Praktiker greifen vorzugsweise zum »Wöhe«, weil er keine fachlichen Vorkenntnisse voraussetzt das ganze Fachgebiet der Betriebswirtschaftslehre abdeckt schwierige betriebswirtschaftliche Entscheidungsprobleme in einfacher Sprache erklärt.

Die 26. Auflage gibt den aktuellen Stand der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre wieder, enthält komplett neue Teile zu Personalwirtschaft, Risikomanagement sowie "Industrie 4.0" und ist durchgehend zweifarbig gestaltet.
Rund 800 Abbildungen und Übersichten geben einen schnellen Überblick über die wichtigsten fachlichen Zusammenhänge. Mit seinem umfangreichen Stichwortverzeichnis lässt sich das Lehrbuch von Studierenden und Praktikern auch als Nachschlagewerk nutzen.

Vorteile:
Der Bestseller zur ABWL,
Einprägsam - modernes Layout mit rund 800 Abbildungen und Schaubildern,
leicht verständlich - durch zahlreiche kleine Praxisbeispiele.

Neuauflage (15. Auflage)

Übungsbuch zur Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre

Günter Wöhe, Ulrich Döring & Gerrit Brösel

€ 23,60 · Vahlen

Die perfekte Klausurvorbereitung.

Das Übungsbuch erscheint gleichzeitig mit dem Klassiker »Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre « und setzt die gleichen Bearbeitungsschwerpunkte wie das Lehrbuch.

Besonders im Bereich der Unternehmensführung wurden zahlreiche alte Aufgaben durch neue Übungsfälle ersetzt. Das Übungsbuch enthält etwa 500 Fallaufgaben mit ausführlichen Lösungen sowie Wiederholungsfragen und 300 klausurerprobte Multiple-Choice-Aufgaben.

Mit den Wiederholungs- und Testfragen soll der Leser sein Wissen überprüfen und ergänzen, um so eine gezielte Vorbereitung auf Prüfungen durchführen zu können.

Vorteile:
Mehr als 500 Einzelaufgaben sowie Wiederholungsfragen,
300 klausurerprobte Multiple-Choice-Aufgaben,
Die ideale Ergänzung des Lehrbuchs durch Fallbeispiele.

Empfehlungen

Belletristik

Neuerscheinung

Schecks Kanon

Die 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur von "Krieg und Frieden" bis "Tim und Struppi"

Denis Scheck

€ 25,70 · Piper

„Vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue“

Kann ein Kinderbuch zum Kanon der Weltliteratur zählen? Unbedingt, sagt der Literaturkritiker Denis Scheck. Zum Beispiel Astrid Lindgrens „Karlsson vom Dach“, das am Anfang vieler Leserbiografien steht. Und darf der Klassenclown der Gegenwartsliteratur Michel Houllebecq mit der Aufnahme in einen Kanon geadelt werden? Ja, natürlich. Denn er ist auf dem Gebiet der Politik, was Jules Verne für die Technik war: ein Visionär. Mit seiner Auswahl der 100 wichtigsten Werke präsentiert Denis Scheck einen zeitgemäßen Kanon, der auf Genre- oder Sprachgrenzen schlicht pfeift. Von Ovid bis Tolkien, von Simone de Beauvoir bis Shakespeare, von W. G. Sebald bis J.K. Rowling: Charmant, wortgewandt und klug erklärt er, was man gelesen haben muss – und warum.

Lädt dazu ein, nicht nur den eigenen Horizont zu erweitern, sondern auch sich selbst auf der Reise durch die Welt der Literatur neu zu entdecken.“

(Dingolfinger Anzeiger) „

Toller Leitfaden für Leseratten.“

(Express Köln)

Neuerscheinung

Die geheime Mission des Kardinals

Rafik Schami

€ 26,80 · Hanser

Ein italienischer Kardinal, eine geheime Mission, ein Mord in Damaskus - der spannende neue Roman vom Meistererzähler Rafik Schami.

Noch herrscht Friede in Syrien. Die italienische Botschaft in Damaskus bekommt 2010 ein Fass mit Olivenöl angeliefert, darin die Leiche eines Kardinals. Kommissar Barudi will das Verbrechen aufklären; Mancini, ein Kollege aus Rom, unterstützt ihn und wird sein Freund. Auf welcher geheimen Mission war der Kardinal unterwegs? Wie stand er zu dem berühmten Bergheiligen, einem Muslim, der sich auf das Vorbild Jesu beruft? Bei ihrer Ermittlung fallen die beiden Kommissare in die Hände bewaffneter Islamisten. Rafik Schamis neuer Roman erzählt von Glaube und Liebe, Aberglaube und Mord und führt uns tief in die Konflikte der syrischen Gesellschaft und in das berufliche Schicksal und die Liebe eines aufrechten Kommissars.

Ein sehr lesenswerter Kriminalroman vom Meistererzähler Rafik Schami.“

(Denis Scheck, SWR Lesenswert, 26.09.19) „

Schami schildert ein Land unter der Knute eines unbarmherzigen Regimes, das seinen Bürgern die Luft zum Atmen und die Fähigkeit zu denken nimmt. Und genau das ist es auch, was seinen Roman so lesenswert macht. ... Es macht Spaß, sich Schamis bedächtigem und manchmal orientalisch-ausuferndem Erzählfluss hinzugeben und den beharrlichen, immer wieder ins Leere laufenden Aufklärungsversuchen der beiden Kommissare zu folgen.“

(Petra Pluwatsch, Frankfurter Rundschau, 13.08.19)

Damaskus, 15.November 2010
Bereits in der Morgendämmerung sandte der Montag seine unfreundliche Botschaft: kaltes, regnerisches Wetter. Der Wind schlug die eiskalten Regentropfen in die Gesichter der Passanten und raubte ihnen die letzte Spur guter Laune.
Der Sommer hatte sich bis Ende September gedehnt, jetzt hatte der Herbst in Damaskus Einzug gehalten. Als hätte er große Achtung vor der uralten Stadt, hatte er seit vier Wochen vor ihren Toren gekauert und auf seine Gelegenheit gewartet. Nun fegte der November durch die Stadt und eroberte sie im Handumdrehen. Er zwang die Bäume, ihr grünes Sommerkleid abzulegen und die Blätter fallen zu lassen.
In der Ferne donnerte es laut. Der Donner erschütterte die Luft und die Häuser, die wie ihre Bewohner zu zittern schienen. Damaskus war nicht für den Winter gebaut.
Vor der italienischen Botschaft in der Ata-al-Ayubi-Straße, an der Ecke zur Manssur-Straße, hielt kurz vor sieben Uhr morgens ein ApeTransporter. Der Fahrer trat – aus welchen Gründen auch immer – zweimal aufs Gaspedal, um dann scharf zu bremsen. Das Motorengeheul hallte von den kahlen Mauern wider. Dann schaltete der Mann den Motor aus, wartete eine Weile, und als ihm schien, dass der Regen nun etwas nachließ, stieg er aus. Er warf einen Blick auf die Ladefläche und auf den Zettel in seiner Hand, musterte die Gebäude auf beiden Seiten und ging, als er die italienische Fahne erkannte, leise vor sich hin fluchend auf die Tür der Botschaft zu.
Ein Polizist eilte aus seinem Wachhäuschen und fing den etwa fünfzigjährigen untersetzten Mann ab, bevor dieser die Tür erreichte.
»Ich habe ein Fass für den Herrn Fransisku Lungu.« Den Namen las der Mann von einem Zettel ab, aber der Wächter verstand, wer gemeint war: Francesco Longo, der Botschafter der Republik Italien. Er musterte den Fremden und das vorsintflutliche rote Lastendreirad, das einst die italienische Firma Piaggio produziert und das in Syrien so viele Veränderungen und bunte Reparaturen durchgemacht hatte, dass die
Italiener bestimmt nichts dagegen hätten, das Endprodukt als »made in Syria« zu bezeichnen. Der Blick des Wächters fiel auf das Schild über der Fahrerkabine: Der Neider soll erblinden, stand darauf, und er konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Jedes dieser rostigen Fahrzeuge erzeugte mehr Gestank und Höllenlärm als zehn Limousinen. Aber es war beliebt, weil es wendig war und mit einem gewissen Tempo durch die engen Gassen fahren konnte, und vor allem war es billig und robust. Mehrere Tausend Transporteure verdankten der Ape ihr Brot und versahen sie mit Sprüchen, vor allem gegen Neider. Sie schmückten sie liebevoll mit Spiegeln, Kanarienvögeln aus Kunststoff und bunten Girlanden aus Draht und Blech.
»Ein Fass? Zu dieser frühen Stunde?«, fragte der Wächter fast empört und zeigte auf seine Armbanduhr. Es war ein paar Minuten nach sieben, und ohne die Antwort abzuwarten, fuhr er ungläubig fort: »Und was für ein Fass soll Seine Exzellenz der Botschafter bekommen?« Dabei warf er einen schiefen Blick auf die Ape und erkannte nun die Konturen eines großen Holzfasses unter der grauen Regenplane, die über die Ladefläche gespannt war.
»Ich weiß es nicht. Es riecht nach Olivenöl, aber es ist viel schwerer als Öl. Viel, viel schwerer«, betonte der Mann überzeugend, wie einer, der sein Leben lang nur Lastenträger gewesen war und erst vor zehn Jahren durch das Dreirad zum Transporteur geworden war.
»Olivenöl?«, fragte der Wächter ungläubig. Sein Staunen legte seine Stirn in Falten.
»Ja«, antwortete der Mann ungeduldig.
»Dann fahr um das Gebäude herum zum Lieferanteneingang«, erwiderte der Uniformierte und wies dem anderen fast gelangweilt mit der Hand den Weg. Dann brachte er sich vor dem Gestank der grauen Wolke, die das Fahrzeug beim Start erzeugte, rasch in Sicherheit.
Der Transporteur fuhr geschickt rückwärts in die Einfahrt und hielt dicht vor der Hintertür an. Er stieg aus und sah in den Himmel. »Na endlich«, sagte er erleichtert und dankbar, dass der Regen eine Pause
eingelegt hatte. Er klingelte und begann die Plane abzunehmen, die an den vier Ecken mit Haken an der Ladefläche befestigt war. Aus dem Fenster des benachbarten Hauses warf eine Frau einen prüfenden Blick auf den Mann.
Neben dem Fass lagen mehrere dicke Bretter und eine Sackkarre. Gerade hatte der Transporteur die Plane zusammengerollt, als ein beleibter Mann mit Glatze und Kochschürze die Tür öffnete und ihn misstrauisch
musterte.
»Was gibt’s?«
»Gesegneten Morgen, ein Ölfass für die Botschaft«, erwiderte der Mann, verwundert über die Unhöflichkeit, die an der Botschaft herrschte. Dann begann er die Bretter nebeneinanderzulegen, bis sie eine Rampe von der Ladefläche bis zur Tür bildeten.
»Öl? Zu dieser Stunde? Ich bin hier allein!«
»Ja, und? Alles ist bezahlt, und ich brauche keine Hilfe«, sagte der Transporteur. Aus Erfahrung wusste er um die Angst der Empfänger.
Erst bringt man ihnen etwas, und dann folgt die Rechnung.
»Bezahlt von wem?«, fragte der Koch etwas verwundert.
»Keine Ahnung, ein Mann aus dem Norden, ein großzügiger eleganter Herr mit Mantel, Handschuhen und Schirm in einem weißen Mercedes Sprinter.« Mit diesen Worten stemmte er sich gegen das Fass und
legte es behutsam auf den Bauch. Dann stieg er auf die Rampe und ließ es langsam herunterrollen. Es war nicht ganz leicht, das Fass im Rückwärtsgehen zu bremsen, damit es nicht zu schnell rollte und an der Mauer zerschellte. Der Koch machte keine Anstalten, dem Transporteur zu helfen.
»Aus dem Norden? Wie heißt denn der Herr?«

Nachdruck

Herr Katō spielt Familie

Milena Michiko Flasar

€ 10,30 · btb

Den ehemaligen Kollegen hat er immer beneidet. Um den Ruhestand, das Motorrad und die neue Freiheit. Doch jetzt steht er selbst frisch verrentet auf den bemoosten Treppen vor seinem Haus und weiß nicht wohin. Eine Krawatte braucht er nicht mehr, zu Hause ist er im Weg, die Kinder sind längst ausgezogen. Ob die junge Frau, die er jüngst auf dem Friedhof getroffen hat, ihm nur etwas vormacht, vermag er nicht zu sagen. Er ist aus der Übung. Und dennoch nimmt er ihren Vorschlag an, lässt sich von ihrer Agentur »Happy family« mal als Opa, mal als Exmann, dann wieder als Vorgesetzter engagieren und trifft auf fremde Menschen und Schicksale. Er spielt seine Rollen gut, und seine Frau bekommt von alledem nichts mit. Sie hat wieder angefangen zu tanzen …

Ein kleiner Roman der Wahrhaftigkeit.“

(Paul Jandl, NZZ) „

Eine berückende Geschichte über alles, was zählt.“

(Denis Scheck, ARD)

Als man ihm sagt, dass alles in Ordnung ist - keine Auffälligkeiten, nichts Besorgniserregendes - für sein Alter tipptopp -, da empfindet er neben der Erleichterung eine insgeheime Enttäuschung. Er hat gehofft, man würde etwas finden. Und wenn es ihm kaum bewusst gewesen ist, hat ihm die Hoffnung darauf ein Gefühl von Wichtigkeit gegeben: Man würde etwas finden und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Eine Diät etwa. Sport. Drei Tabletten pro Tag. Maßnahmen, auf die er sich gefreut hat und die er trotz Vorfreude darauf zuerst mit einigem Widerstand, dann, sich nach und nach fügend, am Ende eifrig befolgt haben würde. Aber so? Was soll er machen? Man händigt ihm die Befunde aus, er nimmt sie entgegen. Jetzt könnte er darauf zu sprechen kommen, wie schwer es ihm fällt, morgens aufzustehen, aber da hat man ihn bereits aus dem Untersuchungsraum begleitet, zurück ins Wartezimmer, wo er am liebsten bleiben würde. Es ist schön hier. Man hat sich Mühe gegeben. An den Wänden hängen Fotos von Babys in Blumenkelchen, und er würde gerne, sehr gerne davor sitzen bleiben. Sich fragen, wie sie wohl dorthinein geraten sind, die Babys mit ihren Schmetterlingsflügeln, wie die wohl befestigt wurden, an ihren schmalen weißen Rücken. Auch darauf hätte er zu sprechen kommen können, dass er sich immerzu fragt und fragt, ohne dass sich daraus ein Sinn ergibt, und ob das nicht symptomatisch ist für eine Krankheit, dass er keine Ruhe hat vor den Fragen, gerade morgens nicht, wenn er die Augen aufschlägt, dass dann die Sinnlosigkeit auf seinen Brustkorb drückt. Oder ist das normal? Eine Alterserscheinung? Und es braucht Zeit, die er ja nun hat, bis er sich gewöhnt hat ans Zeithaben? Bei der Garderobe nimmt er seine Jacke vom Haken, sie ist dunkelgrau, fast schon schwarz. In dem Geschäft, wo er sie gekauft hat, sagte man ihn, die Farbe sei von einer zeitlosen Eleganz, sowohl klassisch als auch modern, dazu der Schnitt, von einer Schlichtheit, die stark im Trend liege und dabei gleichzeitig traditionell und - im Grunde nichtssagend ist. Den Gedanken hat er freilich für sich behalten, ebenso wie den, dass es wohl die letzte Jacke war, die er kaufte, das letzte Hemd, die letzten Schuhe. Diese Sachen, dachte er, genügen. Mehr braucht er nicht mehr. Un es hat ihn mit einer Zufriedenheit erfüllt, derart bescheiden zu sein in seinen Ansprüchen für sich selbst, zugleich mit einer Wehmut, an jenem Punkt angelangt zu sein, von dem er immer geglaubt hatte, er befinde sich in weiter Ferne, irgendwann würde er nichts mehr haben wollen. Nun war es so weit. Lächerlich. Jetzt sieht er es ein. Und dass er sich glücklich schätzen sollte, Hauptsache gesund, nicht auf die Uhr schauen, nicht seufzen, die Mundwinkel nach oben ziehen. Fast tut es weh, das Lächeln, mit dem er die Praxis verlässt. Ein leichtes Zucken im Gesicht, so in etwa stellt er sich einen Phantomschmerz vor.

Neuerscheinung

FLIEGE FORT, FLIEGE fort

Paulus Hochgatterer

€ 23,70 · Deuticke

Der meisterhafte neue Roman von Paulus Hochgatterer: Psychiater Horn und Kommissar Kovacs, das Duo aus den Bestellern "Die Süße des Lebens" und "Das Matratzenhaus" ermitteln.

Der Sommer hält Einzug in Furth am See. Während sich die Hotelterrassen füllen und die Schüler auf ihre Zeugnisse warten, nehmen besorgniserregende Ereignisse ihren Anfang. Auf immer grausamere Weise werden Gewalttaten gegen ältere Menschen verübt. Die Opfer scheint nur eins zu verbinden – das Bestreben zu schweigen. Schließlich verschwindet auch noch ein Kind. Der Psychiater Raffael Horn und Kommissar Ludwig Kovacs – das aus den Bestsellern "Die Süße des Lebens" und "Das Matratzenhaus" bekannte Ermittlerduo – beginnen die spärlichen Anhaltspunkte zu verknüpfen und in lang vergangene dunkle Geschichten einzutauchen. Der meisterhafte neue Roman von Paulus Hochgatterer – Spannung auf höchstem literarischen Niveau.

Hochgatterer ist erneut ein Kunstwerk gelungen, das tief in unsere Psychen und Gesellschaft blicken lässt.“

(Klaus Zeyringer, Der Standard, 28.09.19) „

Bei Hochgatterer bilden Inhalt und Form eine Einheit. Nichts an seiner Sprache wirkt forciert. Mit wenigen Sätzen versteht er es, Atmosphären zu erschaffen.“

(Sebastian Fasthuber, Falter, 18.09.19) „

Ein packender und virtuos komponierter Roman, ein beunruhigendes Buch, das lange nachhallt.“

(Kristina Pfoser, Ö1 Morgenjournal, 20.09.19)

Sie gehen am überdachten Fahrradständer, am Schuppen für die Gartengeräte und am Kaninchenstall vorbei. Sie benennt die Dinge, als sei er gerade dabei, eine neue Sprache zu lernen: Fahrradständer, Geräteschuppen, Kaninchenstall. »Was hast du eigentlich in deinem Rucksack?«, fragt sie im Treppenhaus.
Er blickt sie überrascht an und sagt nichts. »Entschuldige«, sagt sie und weiß nicht, warum. Sie fragt ihn, ob es ihn interessiere, wo er schlafen werde und wer seine künftigen Bettnachbarn seien. Als Nächstes werde man ihm vermutlich sein Bett zeigen und seine Plätze im Speisesaal und im Lernzimmer; außerdem werde man ihn mit den anderen bekannt machen. Letzteres solle ihn nicht beunruhigen, allen sei klar, dass
man zu einem Neuen nett zu sein habe.
Sie durchqueren den Speisesaal in Richtung Terrasse. Draußen am Tisch der Sozialarbeiterin sitzt der Direktor, das ist von innen gut zu sehen. An der Brüstung lehnt der große, dunkelhaarige Erzieher, den sie Jimi nennen, und raucht. Er heißt so, weil er ausschließlich Jimi-Hendrix-T-Shirts trägt und behauptet, er habe eine Fender Stratocaster zu Hause. Als sie auf die Terrasse treten, packt die Sozialarbeiterin ihre Flügelmappe in die Tasche und erhebt sich. »Dann kann ich ja gehen«, sagt sie. Sie schüttelt dem Direktor die Hand. »Ich werde dich besuchen kommen«, sagt sie zum Buben, »obwohl dir ja
nichts passieren kann, wenn du so engagierte Leute um dich hast.« Dann geht sie.
Der Bub steht da und starrt auf einen Punkt vor seinen Füßen. Mit dieser Vorgeschichte sei es nur allzu verständlich, dass das Kind in einer Situation, in der alles unvertraut sei, Angst habe, sagt sie. Wenn keiner etwas dagegen habe, werde sie ihn jetzt mitnehmen und ihm die wichtigsten Dinge zeigen, sein Bett, den Kleiderschrank, die Waschräume.
Der Direktor wendet sich dem Buben zu. Er streicht sich mit Daumen und Zeigefinger über den Nasenrücken und schüttelt langsam den Kopf. Es tue ihm leid, aber ganz so einfach sei die Sache leider nicht. Bei einem Heim für Kinder und Jugendliche handle es sich um eine hochsensible Einrichtung, die auf gewisse Arten von Erschütterung viel empfindlicher reagiere, als man sich das als Außenstehender vorstelle. Daher könne vor allem ein Angriff auf die Fundamente unter keinen Umständen unkommentiert bleiben. Noch einmal streicht er sich über die Nase, und plötzlich geht alles sehr schnell. Der Erzieher richtet sich auf, schnippt seinen Zigarettenrest übers Geländer und fixiert den Buben. Der Direktor macht zwei,drei Schritte auf ihn zu, fasst mit der linken Hand an sein Kinn, drückt es nach oben, holt mit der rechten aus und
schlägt sie ihm flach ins Gesicht.
»Weglaufen wird hier unter keinen Umständen geduldet«, sagt er, »auch nicht bei Neuankömmlingen. Merk dir das.«
Irgendetwas versackt in ihrem Kopf, gerät durcheinander, und für ein paar Augenblicke gelingt ihr kein klarer Gedanke.Weglaufen werde bestraft, und Weglaufen werde verhindert, sagt der Direktor, auch sie solle sich das einprägen. Dabei lächelt er.
Der Erzieher steht breitbeinig da und sieht den Direktor fragend an.
»Erstens die Glatze«, sagt der Direktor, »zweitens der Einzug in Jerusalem.«
Der Erzieher grinst. »Wird gemacht«, sagt er.
Was werde gemacht, will sie wissen, was bedeute die Glatze und was der Einzug in Jerusalem. Der Direktor sagt, das Leben mancher Kinder verlaufe so, dass man es ab einem gewissen Punkt nur besser machen könne, langsam allerdings, Schritt für Schritt, Maßnahme für Maßnahme.
In diesem Moment hebt der Bub den Kopf und sieht sie an.
»Du hast alles falsch gesagt«, sagt er.
»Was habe ich falsch gesagt?«, fragt sie.
»Über mich«, sagt er, »alles. Du weißt nicht einmal, dass mein Vater im Gefängnis sitzt. Für immer.«

Neuerscheinung

Als ich jung war

Norbert Gstrein

€ 23,70 · Hanser

Was wissen wir von den anderen? Was von uns selbst?

Am Anfang ist da nur ein Kuss. Aber gibt es das überhaupt, nur ein Kuss? Franz wächst im hintersten Tirol auf. Er fotografiert Paare "am schönsten Tag ihres Lebens", bis bei einer Hochzeitsfeier die Braut ums Leben kommt. Was hat das mit ihm zu tun? Was damit, dass er nur Wochen zuvor am selben Ort ein Mädchen geküsst hat? Vor diesen Fragen flieht er bis nach Amerika. Doch dann stirbt auch dort jemand: ein Freund, in dessen Leben sich ebenfalls mögliche Gewalt und mögliche Unschuld die Waage halten. Was wissen wir von den anderen? Was von uns selbst? Hungrig nach Leben und sehnsüchtig nach Glück findet sich Franz in Norbert Gstreins Roman auf Wegen, bei denen alle Gewissheiten fraglich werden.

Ein brillant erzählter Roman über Begehren, Schuld, Verdrängung. Und damit geht es immer auch um die Grenzen des Erzählbaren. Was kann erzählt werden, was kann nicht erzählt werden. Und welche Geschichten erzählt man nur, um andere nicht zu erzählen ... das fand ich phänomenal.“

(Svenja Flaßpöhler, Das literarische Quartett, ZDF, 09.08.19) „

Eine sehr ernsthafte Reflexion über Geschlechterverhältnisse, ein Werk des #MeToo-Zeitalters aus kritischer Männerperspektive.“

(Richard Kämmerlings, Die Welt, 10.08.19)

Nach dem Unglück, das dort vor dreizehn Jahren passiert ist, hätte ich nie gedacht, dass im Schlossrestaurant jemals wieder Hochzeitsfeiern stattfinden würden, und schon gar nicht, dass ausgerechnet mein Bruder sie von neuem anbieten könnte. Bis dahin und noch ein Jahr darüber hinaus, weil so lange der Vertrag lief, war unser Vater der Pächter gewesen. Danach hatte sich über Monate kein Nachfolger gefunden, und dann fand sich einer, der auf eine ganz andere Klientel aus war, eine Pizzeria eröffnete, im Keller eine Kegelbahn einrichtete, zwei Zielscheiben für Darts aufhängte und darauf setzte, dass die Geschichte mit der toten Braut entweder in Vergessenheit geraten oder im Gegenteil sogar eine makabere Attraktion werden würde. Man hatte meinem Bruder gegenüber mehreren Mitbewerbern den Vorzug gegeben, als die Pacht im vergangenen Jahr erneut ausgeschrieben worden war, und er hatte das Restaurant in kürzester Zeit zu seinem früheren Ruf geführt, ja, sich sogar weit über die Region hinaus Anerkennung erkocht, wie es hieß, und wollte deswegen in Zukunft auch wieder an die alte Tradition mit der Heiraterei anschließen.
In meiner Kindheit hatten wir gewöhnlich zwei oder drei Wochen nach Ostern, wenn die Wintersaison vorbei war, unser Hotel in den Bergen verlassen und das Restaurant bezogen, und dann begann es auch schon
mit den Hochzeiten, Wochenende für Wochenende, oft zwei, eine am Freitag, eine am Samstag, bis in den September hinein oder gar bis Anfang Oktober. Das Hotel blieb im Sommer geschlossen, unser Vater fuhr alle paar Tage hin, um nach dem Rechten zu sehen, und erst nach Allerheiligen, wenn es oft schon wieder schneite, packten wir unsere Sachen zusammen, verriegelten alles und kehrten nach Hause zurück. Ich war damit aufgewachsen, im Winter das Hotel und die Skischule, im Sommer die Hochzeitsfabrik, wie zuerst unser Vater sie ironisch nannte, wie sie dann aber von allen ernsthaft tituliert wurde, ohne dass dadurch die Anziehungskraft litt. Man heiratete im Schloss, auch wenn es in Wirklichkeit keines war und nur so hieß, man heiratete bei unserem Vater, der diese Position irgendwann ein für alle Mal besetzt hatte. Kaum jemand aus den umliegenden Dörfern schlug sein Angebot aus, aber die Leute kamen auch aus der Stadt, entschieden sich für eine der drei Möglichkeiten, Standard, Medium oder Extraklasse, und ließen sich von unserem Vater beraten, der für alles garantierte, nur nicht für das Glück. Er warb leicht anzüglich damit, dass er den Brautpaaren an ihrem Freudentag abnehmen würde, was er ihnen abnehmen könne, damit sie für das, was er ihnen nicht abnehmen konnte, Kopf und Hände frei hätten. Dazu versprach er ihnen sogar schönes Wetter oder bei Schlechtwetter einen satten Rabatt, und sie wählten ein oder zwei kleine Extravaganzen, die Fahrt in der offenen Kutsche die Serpentinen zu dem kleinen Plateau herauf, von dem sich der sogenannte Schlossberg mit der Burgruine aus dem vierzehnten Jahrhundert erhebt, das Engelsspalier mit dem geflügelten Kinderchor oder den Schleiertanz. Den hatte unser Vater allerdings erst in den allerletzten Jahren angeboten, und es war ein zweifelhaftes Erlebnis, zuzuschauen, wie sich eine Schauspielerin aus dem
Landestheater auf dem Boden wand und räkelte, als hätte sie den Verstand verloren.
Ich war fünfzehn, Internatsschüler, und hatte noch kein Mädchen geküsst, als ich bei den Feiern zu fotografieren begann. Zwei Jahre davor hatte mir unser Vater zum Geburtstag eine Kamera geschenkt, und weil er auf alles mit dem Blick des Geschäftsmannes sah und gleichzeitig keinen falschen Respekt vor den falschen Künsten hatte, wie er sagte, wunderte ich mich nicht, dass er irgendwann mit dem Vorschlag kam, wir könnten das Fotografieren inklusive anbieten, das bisschen Knipserei würde ich schon zustande bringen. Zuerst wehrte ich mich, wie ich mich gewehrt hatte, im Hotel beim Servieren zu helfen oder den Skischülern die ersten Schwünge im Schnee vorzuführen, aber wie auch sonst immer entkam ich unserem Vater nicht. Er setzte seinen Willen durch, und ich hatte neben meinen Tätigkeiten als aushilfsweiser Skilehrer und gelegentlicher Kellner zusätzlich die als Hochzeitsfotograf, für die er mich mit einem dunkelblauen Anzug und einer dezent weiß gepunkteten, dunkelblauen Krawatte verkleidete. Damit hätte ich mich auch bei einem Begräbnis nicht schlecht gemacht, und wenn man mich so ausstaffiert sah, konnte man leicht vergessen, dass ich in Wirklichkeit noch zur Schule ging und in den Unterrichtsstunden am Samstag mit dem Schlaf kämpfte, sooft ich am Freitag engagiert gewesen war und unser Vater mich nicht wieder krank melden konnte, weil er es bereits an so vielen Wochenenden davor getan hatte.

Neuerscheinung

Blutblume

Widerstandstrilogie, Band 1

Louise Boije af Gennäs

€ 18,50 · Europa Verlag

Die Suspense-Sensation aus Schweden in drei Bänden

Als Saras Vater bei einem rätselhaften Brand zu Tode kommt, zieht sie von der schwedischen Kleinstadt Örebro nach Stockholm. Dort läuft zunächst alles glatt für die 25-Jährige: Aus ihrem Job als Kellnerin wird eine Anstellung bei einer angesehenen PR-Agentur, und von der schäbigen Vorortwohnung geht es in ein luxuriöses Apartment im Nobelstadtteil Östermalm. Sara ist glücklich, dass sich in ihrem Leben endlich alles zum Guten gewendet hat.

Doch schon bald muss Sara erkennen, dass nichts so ist, wie es scheint. Beängstigende Dinge geschehen, für die sie keine Erklärung findet. Immer größer wird ihr Misstrauen gegenüber ihrem Umfeld, bis sie schließlich an ihrem eigenen Verstand zu zweifeln beginnt. Bildet sie sich all diese seltsamen Ereignisse nur ein? Oder kann sie tatsächlich niemandem mehr trauen?

Packend und erschreckend realistisch erzählt, stellt Louise Boije af Gennäs den Kampf einer jungen Frau gegen anonyme Kräfte ins Zentrum ihrer Widerstandstrilogie. In drei Bänden mischt sich das psychologische Verwirrspiel von Girl on the train mit den verschwörungstheoretischen Ansätzen der Millennium-Trilogie und macht Louise Boije af Gennäs’ Werk zu einer einzigartigen Suspense-Reihe, die man erst dann aus der Hand legen kann, wenn Sara erfahren hat, was wirklich hinter all den seltsamen Ereignissen steckt.

Louise Boije af Gennäs hat das seltene Talent, Figuren zu erschaffen, die aus den Seiten heraussteigen und zu echten Menschen werden.“

(Arbeterbladet) „

Louise Boije af Gennäs‘ „Blutblume" beschäftigt sich mit den ganz finsteren Machenschaften der schwedischen Eliten und wartet mit einer starken, aber trotzdem nahbaren Protagonistin auf. Die Widerstands-Trilogie startet äußerst vielversprechend.“

(Wissenstagebuch, 26.09.2019)

Neuerscheinung

Hillarys Blut

Claudia Rossbacher

€ 14,00 · Gmeiner

Tödliche Karibik

Was geschieht, wenn auf einer kleinen Karibikinsel zu wenig Menschen sterben? Zu wenig Menschen, die ihren Leichnam der Medizin zur Verfügung stellen? Was, wenn deshalb Prämien für Körperspenden ausgesetzt werden? 3.000 US-Dollar für jede Leiche, die den Studenten die faszinierende Welt der Anatomie eröffnet. Als die deutsche Touristin Sonja Podolski in Antigua landet, ahnt sie noch nichts von den mörderischen Intrigen der Schönen und Reichen, die schließlich auch sie in Lebensgefahr bringen ...

Neuerscheinung

Der Store

Rob Hart

€ 22,70 · Heyne

Du bekommst alles im Store. Aber es hat seinen Preis.

Der Store liefert alles. Überallhin. Der Store ist Familie. Der Store schafft Arbeit und weiß, was wir zum Leben brauchen. Aber alles hat seinen Preis.

Paxton und Zinnia lernen sich bei Cloud kennen, dem weltgrößten Onlinestore. Paxton hat dort eine Anstellung als Security-Mann gefunden, nachdem sein Unternehmen ausgerechnet von Cloud zerstört wurde. Zinnia arbeitet in den Lagerhallen und sammelt Waren für den Versand ein. Das Leben im Cloud-System ist perfekt geregelt, aber unter der Oberfläche brodelt es. Die beiden kommen sich näher, obwohl sie ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. Bis eine schreckliche Entdeckung alles ändert.

… ein Buch, das einiges an Aufmerksamkeit erregen wird.“

(MDR Kultur, "Unter Büchern", 02.09.19)

Gibson

Tja, ich werde bald sterben!
Viele Leute schaffen es ans Ende ihres Lebens, ohne zu wissen, dass sie es erreicht haben. Eines Tages geht einfach das Licht aus. Ich hingegen habe einen Termin.
Da ich keine Zeit habe, ein Buch über mein Leben zu schreiben, wie es mir alle nahelegen, muss das hier ausreichen. Ein Blog, ist doch ziemlich passend, oder nicht?
In letzter Zeit schlafe ich nicht viel, daher habe ich jetzt etwas, womit ich mich nachts beschäftigen kann.
Ohnehin ist Schlaf etwas für Leute, denen es an Ambitionen mangelt.
Immerhin wird es also eine Art schriftliche Aufzeichnung geben. Ich will. dass ihr es von mit hört anstatt von jemand, der damit Geld verdienen will und irgendwelche fundierten Vermutungen anstellt. Aus der Perspektive meiner Branche kann ich euch sagen: Vermutungen sind nur selten fundiert.
Ich hoffe, es ist eine gute Geschichte, weil ich den Eindruck habe, dass ich ein ziemlich gutes Leben gelebt habe.
Vielleicht denkt ihr jetzt: Mr. Wells, Sie besitzen 304,9 Milliarden Dollar, womit Sie der reichste Mensch in Amerika sind und die viertreichste Person auf Gottes schöner Erde, also haben Sie natürlich ein gutes Leben gehabt.
Aber, Freunde, das ist nicht der springende Punkt.
Wichtiger noch, das eine hat nichts mit dem anderen zu tun.
Das hier ist die echte Wahrheit: Ich habe die schönste Frau der Welt kennengelernt und sie überzeugt, mich zu heiraten, bevor ich einen einzigen Penny in der Tasche hatte. Gemeinsam hatten haben wir ein kleines Mädchen aufgezogen, das vom Glück verwöhnt war, das stimmt, aber gelernt hat, den Wert eines Dollars zu schätzen. Sie sagt bitte und danke und meint es auch so.
Ich habe die Sonne auf- und untergehen sehen. Ich habe Teile der Welt gesehen, von denen mein Papa nicht mal gehört hatte. Ich bin mit drei Präsidenten zusammengetroffen und habe allen respektvoll erklärt, wie sie ihren Job besser machen könnten -und sie haben zugehört. Ich habe auf der Bowlingbahn meines Wohnorts ein perfektes Spiel gemacht, und mein Name steht dort bis heute an der Wand.
Zwischendrin gab es ein paar harte Zeiten, aber wenn ich hier so sitze, während meine Hunde zu meinen Füßen ruhen, meine Frau Molly im Nebenzimmer schläft und Claire, mein kleines Mädchen, eine geschützte, sichere Zukunft hat - da fällt es mir leicht zu denken, dass ich mit dem, was ich geleistet habe, zufrieden sein kann.
Mit großer Demut sage ich, dass Cloud eine Leistung ist, auf die ich stolz sein darf. Es ist etwas, was den meisten Menschen nicht gelingt. Die großen Freiheiten, die es in meiner Kindheit noch gab, haben sich schon vor so langer Zeit in Luft aufgelöst, dass man sich kaum daran erinnern kann. Früher war es nicht allzu schwer, seinen Lebensunterhalt zu verdienen und ein Häuschen zu bauen. Nach einer Weile wurde das zu einem Luxus und schließlich zu einem reinen Wunschgedanken. Während Cloud wuchs, erkannte ich, dass das Unternehmen mehr sein konnte als ein Kaufladen. Es konnte eine Lösung sein. Es konnte diesem großen Land zur Wohltat gedeihen.
Die Leute an die Bedeutung des Wortes Wohlstand erinnern.
Und das hat es getan.
Wir haben den Leuten Arbeit gegeben. Wir haben den Leuten Zugang zu erschwinglichen Gütern und medizinischer Versorgung verschafft. Wir haben Milliarden Dollar an Steueraufkommen erwirtschaftet. Wir waren führend bei der Verringerung des CO2-Ausstoßes, indem wir Normen und Technologien entwickelt haben, die unseren Planeten retten werden.
Getan haben wir das, indem wir uns auf das Einzige konzentriert haben, worauf es in unserem Leben ankommt: die Familie.
Ich habe meine Familie zu Hause und meine Familie bei der Arbeit. Zwei unterschiedliche Familien, die ich beide von ganzem Herzen liebe und voll Trauer zurücklassen werden.
Der Arzt sagt mir, dass mir noch ein Jahr bleibt, und da er ein ziemlich guter Arzt ist, vertraue ich dem, was er sagt. Außerdem weiß ich, dass mein Zustand ziemlich bald bekannt werden wird, weshalb ich ihn euch genauso gut selbst verkünden kann.
Pankreaskarzinom Stufe 4. Das bedeutet, dass der Krebs sich bereits in anderen Teilen meines Körpers ausgebreitet hat. Vor allem in der Wirbelsäule, der Lunge und der Leber. Eine fünfte Stufe gibt es nicht.
Mit der Bauchspeicheldrüse, medizinisch Pankreas, verhält es sich so: Sie ist hinten im Bauch versteckt. Wenn man feststellt, dass damit etwas nicht in Ordnung ist, ist es in vielen Fällen so wie bei einem Brand auf einem trockenen Feld. Zu spät, als dass man was dagegen tun könnte.
Als der Arzt mit der Diagnose herausgerückt ist, hat er einen ernsten Ton angeschlagen und mir die Hand auf den Arm gelegt. Jetzt kommt es, dachte ich. Zeit für schlechte Nachrichten. Daraufhin sagte er mir, was Sache ist, und meine erste Frage, ehrlich und wahrhaftig, lautet: "Was zum Teufel macht eine Bauchspeicheldrüse überhaupt?"
ER hat gelacht, und ich habe mit eingestimmt, was die Stimmung ein bisschen aufgelockert hat. Das war gut, denn anschließend wurde es weniger lustig. Falls ihr dieselbe Frage hattet: Die Bauchspeicheldrüse trägt dazu bei, die Nahrung zu verdauen und den Blutzucker zu regulieren. Inzwischen weiß ich darüber ganzt gut Bescheid.
Mir bleibt noch ein Jahr. Deshalb gehen meine Frau und ich morgens früh auf große Fahrt. Ich werde so viele MotherClouds in den Vereinigten Staaten besuchen wie irgend möglich.
Ich will mich bedanken. Ich kann zwar unmöglich jeder Person, die in einer MotherCloud arbeitet, die Hand schütteln, aber bemühen werde ich mich, verdammt noch mal. Das kommt mir wesentlich angenehmer vor, als zu Hause zu sitzen und auf den Tod zu warten.
Genau wie immer werde ich mit meinem Bus reisen. Fliegen ist bloß war für Vögel. Und habt ihr gesehen, wie viel ein Flug heutzutage kostet?
Das Ganze wird eine Weile dauern, und während die Reise ihren Lauf nimmt, werde ich wahrscheinlich ein bisschen müder werden. Vielleicht sogar ein bisschen deprimiert. Trotz meiner sonnigen Wesensart ist es nämlich schwer, zu erfahren, dass man bald sterben wird, und dann einfach weiterzumachen. Aber ich habe in meinem Leben viel Liebe und Wohlwollen erfahren, weshalb ich tun muss, was ich kann. Sonst würde ich im kommenden Jahr bloß jeden Tag herumhocken und Trübsal blasen, was aber nicht infrage kommt. Da würde Molly mir eher ein Kissen aufs Gesicht pressen, damit es vorüber ist!
Seit ich es erfahren habe, ist etwa eine Woche vergangen, aber indem ich darüber schreibe, wird es wesentlich realer. Jetzt kann ich es nicht mehr zurücknehmen.
Nun aber Schluss damit. Ich werde mal die Hunde ausführen. Brauche selbst etwas frische Luft. Falls ihr meinen Bus vorüberfahren seht, winkt ihm doch zu. Wenn jemand das tut, fühle ich mich immer ziemlich gut.
Danke fürs Lesen; ich melde mich bald wieder.

Neuerscheinung

Solenoid

Mircea Cartarescu

€ 37,10 · Zsolnay

Genial, verrückt, groß:

Mit seinem monumentalen Roman um die Phantasiemaschine Solenoid schreibt sich Mircea Cartarescu endgültig in die Reihe der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart ein.

Ein Roman wie in Trance, autobiografisch grundiert, zwischen Gewalt und Traum, Ekel und Poesie, Wahrnehmung und Illusion.“

(Cornelia Zetzsche, NDR Kultur, 07.10.19) „

Auf verschiedenen Ebenen und in immer neuen Anläufen geht es in Solenoid um die Überwindung der Grenzen menschlicher Existenz, um die Erweiterung des Bewusstseins, um die Wahrnehmung einer höheren Dimension.“

(Richard Kämmerlings, Die Welt, 21.09.19)

Ich dachte an Träume, an Besucher, an diesen ganzen Wahnsinn, aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt. Vorerst muss ich zurückkehren zur Schule, in der ich, sieh an, schon seit mehr als drei Jahren arbeite.
»Ich werde nicht mein ganzes Leben Lehrer sein«, sagte ich mir, daran erinnere ich mich, als wäre es eben gestern gewesen, als ich spät an einem Sommerabend, rosa Wolken standen am Himmel, mit der Straßenbahn von dort, dem hintersten Colentina, wo ich hingefahren war, mir zum ersten Mal meine Schule anzuschauen, nach Hause fuhr. Aber sieh, es ist kein Wunder geschehen, und alles deutet darauf hin, dass es genau so weitergeht. Schließlich war es bis jetzt gar nicht so schlimm.
An dem Nachmittag, als ich, unmittelbar nach der regierungsamtlichen Zuteilung, dort hinfuhr, um meine Schule zu sehen, war ich vierundzwanzig Jahre alt und wog etwa das Doppelte dieser Zahl an Kilos.
Ich war unglaublich, unfassbar ausgehungert. Der Schnurrbart und die langen Haare, zu jener Zeit noch mit einem rötlichen Schimmer, vermochten es lediglich, meine Gestalt noch stärker zu infantilisieren, so
dass ich, wenn ich mich unverhofft in einer Schaufensterscheibe oder in den Straßenbahnfenstern erblickte, einen Gymnasiasten zu sehen meinte.
Es war ein Sommernachmittag, die Stadt war bis oben hin angefüllt mit Licht, wie ein Glas, in dem sich das Wasser bogenförmig über den Rand wölbt. Ich hatte in Tunari vor der Generaldirektion der Miliz die Straßenbahn genommen, bin am Wohnblock meiner Eltern in der Ştefan cel Mare vorbeigefahren, wo auch ich gewohnt hatte, schaute wie üblich auf die unendliche Fassade, um das Fenster meines Zimmers zu sehen, das zum Schutz vor der Sonne von innen mit blauem Papier verklebt war, und fuhr danach am Maschendrahtzaun des Colentina Spitals entlang. Die Pavillons der Patienten standen in dem großen Innenhof aufgereiht wie Schlachtschiffe aus Mauerwerk. Jeder hatte eine andere Form, als hätten die unterschiedlichen Krankheiten ihrer Bewohner die bizarre Architektur dieser Bauten bestimmt. Oder aber der Architekt jedes einzelnen dieser Pavillons war unter den Menschen, die an einer bestimmten Krankheit litten, ausgesucht worden und hatte das Gebäude so konzipiert, dass es dieses Leiden symbolisch repräsentierte. Ich kannte sie alle, mindestens zwei davon hatten auch mich schon beherbergt. Übrigens erkannte ich eben schaudernd in der rechten hinteren Ecke des Innenhofs das rosa Gebäude mit den papierdünnen Wänden, den Pavillon der Neurologie-Patienten. Hier hatte ich vor acht Jahren wegen einer partiellen Gesichtslähmung, die mir auch heute hin und wieder noch zu schaffen macht, einen ganzen Monat verbracht. Oftmals irre ich nächtens im Traum zwischen den Pavillons des Colentina-Spitals umher und betrete unbekannte, feindlich wirkende Gebäude, deren Wände bedeckt sind von anatomischen Schautafeln …

Neuerscheinung

Die Märchen

Bilder von Nikolaus Heidelbach

Michael Köhlmeier

€ 59,70 · Hanser

Michael Köhlmeier schreibt die Märchen unserer Zeit:

Keine Nacherzählung bekannter Stoffe, sondern verstörende, faszinierende, unheimliche Geschichten. Und hinter den Wölfen, ungleichen Geschwistern, sprechenden Tieren und schweigenden Menschen, selbst hinter dem Mond erklingt die alte, ewige Frage: Was ist aus den ersten Menschen geworden, aus Adam und Eva, nach der Vertreibung aus dem Paradies? Sie sind nicht gestorben, und deshalb leben sie heute noch, das verrät Michael Köhlmeiers unvergleichliches Hausbuch.

Alle Charaktere … sind humorvoll und spielerisch erzählt, und zeigen im modernen Gewand, die Hässlichkeit und Grausamkeit der Welt. Entblößen menschliche Schwächen und stellen alles in Frage. Eine Einladung zum Gruseln und Genießen. Und manchmal darf sich der Leser das Ende auch selbst ausmalen.“

(Barbara Geschwinde, WDR 5, 21.09.19)

Trotzkopf und Dickbauch

Es lebte einst ein Geschwisterpaar am Ufer der Donau, keine Fahrradstunde von der Mündung des Inn entfernt. Der Bub war ein fürchterlich Hässlicher, der obendrein einen Lacher hatte, bei dem es einen schüttelte, nicht zum Hinhören. Das Mädchen hingegen, was soll ich sagen, war schön, als wär sie aus der Sonne herausgebrochen worden, umweht von einem Duft, der
höchstpersönlich von der Natur zusammengemixt und jeden Morgen auf die Haut gehaucht wurde. Und wenn sie lachte, konnte man ein leises Rucken in
den Baumwipfeln sehen. Warum? Weil die Blätter sich anschauen wollten, woher diese kristallklare Musik kommt. Kurz: ein Schmaus, dieses Kind.
War der Bruder neidisch? Keine Spur. Und trotzdem sagten alle, nämlich die Leute: »Der ist neidisch.« Und alle, nämlich die Leute, sagten: »Kein Wunder, dass er neidisch ist. Wer wär an seiner Stelle nicht neidisch.« Und zu ihm sagten sie: »He, sei doch nicht so neidisch, du! Nur weil du hässlich bist wie der Inbegriff und einen Lacher hast, dass einem fast das Kotzen kommt, musst du ja nicht gleich so furchtbar neidisch auf dein hübsches Schwesterchen sein.«
Und er, der Bub, antwortete: »Ich bin doch gar nicht neidisch. Nicht die Spur!«
Und die Leute: »Jetzt tu nicht so! Gib es zu!«
Und er: »Nein, ich bin nicht neidisch!«
»Gib es zu!«
»Nein!«
»Gib es zu!!«
»Nein!!«
Da nannten sie ihn den Trotzkopf. Zu allem dazu.
Und die Schwester? Was sagten die Leute über die Schwester? Das sagten sie: »Überheblich ist sie.« Aber sie war nicht überheblich. Nicht die Spur. Die Leute sagten: »Kein Wunder, dass sie überheblich ist. Wer an ihrer Stelle wäre nicht überheblich. Und zu ihr sagten sie: »He, sei doch nicht so überheblich! Nur weil du eine Schönheit bist und gut riechst und lachen kannst, dass sogar einer Leberwurst das Herz aufgeht, brauchst du noch lange nicht überheblich zu sein und auf deinen Bruder herabzublicken.«
Sie sagte: »Das tu ich doch gar nicht.«
Und die Leute: »Doch tust du es! Gib es zu!«
Und sie: »Nein!«
»Gib es zu!«
»Nein!«
»Gib es zu!!«
»Nein!!«
Da sagten die Leute: »Wart nur ab, du, bis du alt wirst. Die Schönsten werden die Hässlichsten. Jetzt bist du schlank, aber wart nur, du wirst dick werden wie eine angesoffene Krott.« Und vorausschauend nannten sie die Schwester Dickbauch.
Da waren also Trotzkopf und Dickbauch, und sie liebten einander und waren immer Freunde, und das, obwohl sie Geschwister waren. Mit den Leuten aber hatten sie abgeschlossen. Auf die hielten sie nichts mehr. Die Leute hassten alles, was nicht mittelmäßig war, ob nicht mittelmäßig hässlich oder nicht mittelmäßig schön. Als Mutter und Vater unter die Erde gebracht waren, lebten Trotzkopf und Dickbauch allein in dem Haus, und das Haus stand nahe am Wasser, so nahe, dass sie am Morgen nur den Krug aus dem Fenster strecken mussten, um Wasser für den Kaffee zu schöpfen. Und merkwürdig war auch, dass neben ihrem Haus das sauberste Wasser war, und nur dort.
Und dann noch: Oftmals blieb sonst noch etwas an der Hand hängen. Zum Beispiel ein Sack mit Gemüse, der von einem Donauschiff gefallen war, der schwamm so dahin und blieb zufällig an der Hand vom Trotzkopf hängen, als der grad Wasser schöpfen wollte, gutes Gemüse, viel Gemüse. Ein andermal blieb eine Kiste mit feinsten Backwaren an der Hand vom Dickbauch hängen. Oder ein Käserad, wer weiß, woher, tauchte just neben dem Haus aus den Wogen, guter Käse, viel Käse. Von den Schinken und Speckseiten gar nicht zu reden! Ein anderes Mal war es eine Schatulle mit Schmuck, und der Schmuck stand Dickbauch sehr gut, und sie war noch schöner. Oder feine Kleider. Oder interessante Lektüre. Die Donau brachte es. Die Donau sorgte. Wenn man das so erzählt, ich weiß schon, will das einem keiner glauben, aber es war so,
genau so. Die beiden brauchten ihr Häuschen gar nicht zu verlassen, um sich Nahrung zu beschaffen und alles andere, das tat ganz von allein die Donau.
Die Donau brachte es. Die Donau sorgte. Es war so, genau so, da könnt ihr die Stirn runzeln, bis euch die Falten das Hirn quetschen: Die liebe Donau hatte einen Narren an den beiden gefressen. Es ist nämlich eine Wahrheit: Naturerscheinungen wie Flüsse oder Baumwipfel lieben alles, was nicht mittelmäßig ist, auch das Wetter liebt das nicht Mittelmäßige. Ganz im Gegensatz zu den Leuten.
Die Natur sorgte sich also um Trotzkopf und Dickbauch. Alles bekamen die beiden von der Natur. Und von der Donau, die genau genommen ja auch Natur ist, und vom Wetter, von den Sternen und den Tieren. Zu essen bekamen sie, zu trinken, Bündel von Banknoten schwammen ihnen ins Haus. Auch Dinge, die eigentlich den Nachbarn, den Leuten, gehörten, schwammen auf einmal daher, und niemand hatte eine Ahnung, wie die ins Wasser gekommen waren.
Den Leuten war das nicht wurscht, das könnt ihr mir glauben. Sie legten sich auf die Lauer. Ob sich da nicht irgendetwas zeigt, was man anzeigen könnte.
Eines Tages bekamen Trotzkopf und Dickbauch ein Kind, und das, obwohl sie Bruder und Schwester waren. Der Donau und der übrigen Natur war das völlig wurscht. Und dann bekamen sie ein zweites Kind. Das eine Kind, ein Bub, war schön wie die Mama, das andere, ein Mädchen, war hässlich wie der Papa, unmittelmäßig schön, unmittelmäßig hässlich. Da stand dann die Gendarmerie vor der Tür.
»Abgesehen von der Sünde gegen Gott«, sagte die Gendarmerie, »ist es auch ein Vergehen gegen uns.«
Man hat ihnen die Kinder weggenommen, und Trotzkopf wurde in die eine Zelle gesperrt und Dickbauch in die andere. Das Gericht kam überein, sie seien zum Tode zu verurteilen, zum Tode durch Verbrennen, damit der Rest, der übrig bleibt, sauber und rein sei, weil so etwas Grausiges und Sündiges habe es in dieser Gegend noch nie gegeben.
Also hat man die beiden verbrannt. Was aber sollte man mit der Asche tun? Auf die Felder streuen? Nein, ja nicht! Könnte ja sein, dass noch etwas dranhängt von dem nicht Mittelmäßigen, das dann die Ernte versaut. Also hat man die Asche in die Donau gefegt. Und die Donau hat die Asche aufgenommen. Liebevoll, sage ich euch, liebevoll.
»Macht nichts«, sagte die Donau, »jetzt seid ihr bei mir, jetzt denken wir uns etwas aus gegen die.«
Ein Sturm kam auf, so dass sich die Baumwipfel niederbeugten und das Wasser der Donau berührten, der Regen prasselte nieder und schwemmte das Ackerland fort, der Blitz schlug ein in alles, was höher war als ein ausgestreckter Zeigefinger an der ausgestreckten Hand am ausgestreckten Arm. Kurz, alle Natur kam zusammen, und das ist wie die Hölle für alle, die nur das Mittelmäßige gelten lassen. Zum Beispiel Hochwasser. Wer bei der Donau wohnt, der weiß, wovon ich spreche. Das Hochwasser riss die Häuser weg, ließ nichts von den gepflegten Gärten übrig, Parkplätze wurden abgeräumt, als würden sie mit einer riesigen Spachtel blank geschabt. Sogar in die Kirche hinein fand das Wasser, bis zum Altar schoben sich die Wellen.
Nur ein Haus blieb heil und trocken. Ausgerechnet jenes Haus, das am nächsten am Wasser stand. Nämlich das Haus von Trotzkopf und Dickbauch. Das war ein Wunder. Aber bei Gott, ein schwarzes Wunder war das! Aber ein Wunder war es. Und vor einem Wunder geht den Leuten die Muffe, egal, ob das Wunder schwarz oder weiß ist. Das bedeutete: An das Haus traute sich niemand heran. Das blieb.
Das blieb, bis eines Tages die Kinder von Trotzkopf und Dickbauch kamen, der schöne Bub und das hässliche Mädchen, und in das Haus einzogen. Da wurden die Leute dann doch neugierig, und die Neugier hat ja etwas Mutiges an sich, und so trauten sie sich heran an das Haus. Über das Mädchen sagten sie: »Es ist neidisch, weil es so hässlich ist. Wer wär da nicht neidisch bei einem so schönen Bruder.«
Und einer sagte es dem Mädchen dann ins Gesicht hinein: »Sei doch nicht so neidisch auf deinen schönen Bruder!«
Und das Mädchen sagte: »Ich bin ja gar nicht neidisch!«
»Gib es zu!«
»Nein!«
»Gib es zu!!«
»Nein!!«
Da sagten die Leute: »Die ist ein Trotzkopf!«
Über den Bub, den schönen, sagten sie: »Der ist hoffärtig, weil er wie vom Engel gemalt aussieht.« Und zu ihm sagten sie: »Sei doch nicht so hoffärtig!
Hoffart wird büßen, weißt du das nicht?«
»Bin ich aber nicht«, sagte der Bub.
»Gib es zu!!«
»Nein!!«
Da sagten die Leute: »Aus dir wird ein besonders Hässlicher werden.« Und sie nannten ihn Stinkmann. Und das, obwohl er duftete, als hätten sich Rose, Jasmin und Flieder zusammengetan.
So lebten also Trotzkopf und Stinkmann zusammen in dem kleinen Haus direkt an der Donau, und die Leute …

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Aus aktuellem Anlass ergibt sich die Frage, ob ein Kaffee schneller Trinktemperatur erreicht, wenn man die kalte Milch sofort oder erst kurz vor dem Trinken hinzugibt. Das Newtonsche Abkühlungsgesetz besagt, dass eine Flüssigkeit umso rascher abkühlt, je größer die Temperaturdifferenz zur Umgebung ist. Wenn man einen Kaffee möglichst rasch kühlen möchte, so soll man deshalb kalte Milch nicht zu Beginn in den Kaffee geben, sondern erst knapp vor dem Trinken. Milchschaum auf einer Melange verlangsamt das Abkühlen. Eine dicke Kaffeetasse nimmt relativ viel Wärme auf, sodass der Kaffee damit rascher trinkbar ist.

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Frau Hofrat steht auf und bewegt sich Richtung Toilette. Der Prokurist atmet tief durch und meint: „Uii, die Dame ist heute wohl ins Parfumflascherl gefallen. Die zieht ja eine schöne Duftschleppe mit sich herum.“ Frau Hofrat hat heute wohl etwas zu viel Parfum aufgetragen. Es wird diskutiert, wie sich der Duft ausbreitet. Geht man völlig zufällig einen Schritt nach vorne oder zurück und wiederholt man diesen Vorgang, so gelangt man allmählich vom Ausgangspunkt weg. Diese Gesetzmäßigkeit zeigt sich unter anderem in der Brownschen Bewegung und wurde von Albert Einstein 1905 theoretisch abgeleitet. Dem Diffusionsgesetz folgt die Ausbreitung von Gerüchen, die Durchmischung von Substanzen, es trägt aber auch zur Erklärung der Art der Bewegung von Tieren in Schwärmen und der Preisentwicklung auf dem Finanzmarkt bei.

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Alles an seinem Platz

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Oliver Sacks

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Der Neurologe Oliver Sacks ist durch seine Fallgeschichten weltberühmt geworden.

Er hat eine neue Form des Verständnisses für seine Patienten entwickelt, indem er deren Eigenheiten nicht als Defekte oder Behinderung abtat, sondern sie in ihrer Besonderheit wahrnahm und beschrieb. Als Sacks 2015 starb, hinterließ er eine Fülle von Aufzeichnungen: Sacks schreibt über Depressionen und Psychosen, über das Tourette-Syndrom und Demenzerkrankungen, Träume und Halluzinationen. Und er gibt Einblicke in seine persönliche Welt, indem er sein Faible für Farngewächse und Gingkobäume beschreibt und von seinem meistgeliebten Sport erzählt: dem ausgiebigen Schwimmen in Seen und Flüssen. Das höchst lesenswerte Vermächtnis eines Autors von Weltrang.

Oliver Sacks ist der Literat unter den Medizinern.“

(Frankfurter Allgemeine Zeitung) „

Oliver Sacks beweist, dass die Medizin sowohl eine Kunst als auch eine Wissenschaft ist.“

(Siri Hustvedt)

Wir waren alle Wasserbabys, meine drei Brüder und ich. Mein Vater, der ein Schwimm-Champ war (er hat die drei Meilen vor der Isle of Wight drei Jahre hintereinander gewonnen) und für sein Leben gern schwamm, machte uns schon mit dem Wasser vertraut, als wir kaum eine Woche alt waren. In diesem Alter schwimmt man instinktiv, daher habe ich, ob es mir recht war oder nicht, niemals schwimmen «gelernt».
Daran musste ich denken, als ich die Karolinen in Mikronesien besuchte, wo ich sah, wie Kleinkinder furchtlos in den Lagunen tauchten und schwammen, wobei sie meist wie Hunde paddelten. «Nicht schwimmen können» gibt es dort nicht; die Insulaner sind hervorragende Schwimmer.
Magellan und andere Seefahrer, die im 16. Jahrhundert Mikronesien anliefen, waren begeistert, als sie die Insulaner schwimmen und tauchen sahen, und konnten nicht umhin, sie mit Delfinen zu vergleichen, als sie beobachteten, wie sie von Welle zu Welle sprangen. Vor allem die Kinder fühlten sich so heimisch im Wasser, dass sie einem Entdeckungsreisenden «eher wie Fische als wie Menschen» erschienen. (Anfang des 20. Jahrhunderts lernten Westler von den Pazifikinsulanern den Kraulstil, diesen eleganten, kraftvollen Armzug, den sie perfekt beherrschten und der dem menschlichen Körperbau so viel besser entspricht als das froschartige Brustschwimmen, das damals im Westen vorherrschte.)
Ich kann mich nicht erinnern, dass man mir das Schwimmen beigebracht hätte; ich glaube, ich lernte meine Schwimmzüge, indem ich mit meinem Vater schwamm – obwohl sich seine langsamen, gemessenen, raumgreifenden Armzüge (er war ein gewaltiger Mann, der fast 115 Kilogramm wog) nicht unbedingt für einen kleinen Jungen eigneten. Aber ich konnte sehen, wie sich mein alter Herr, der an Land riesig und schwerfällig wirkte, im Wasser verwandelte und die Eleganz eines Delfins entwickelte. Und ich selbst, der eher gehemmt, nervös und unbeholfen war, erfuhr dieselbe wundersame Metamorphose im Wasser, ein
neues Sein, eine neue Seinsweise. Ich erinnere mich lebhaft an einen Sommerurlaub in einem englischen Seebad, einen Monat nach meinem fünften Geburtstag. Ich rannte in das Zimmer meiner Eltern und zerrte an dem riesigen walartigen Leib meines Vaters. «Komm, Dad!», sagte ich.
«Lass uns schwimmen gehen.» Langsam wälzte er sich herum und öffnete ein Auge. «Was denkst du dir dabei, einen alten dreiundvierzigjährigen Mann um sechs Uhr morgens auf so rüde Weise zu wecken?» Heute, da mein Vater nicht mehr lebt und ich fast doppelt so alt bin, wie er damals war, macht mir die Erinnerung an diesen längst vergangenen Moment zu schaffen, und ich weiß nicht recht, ob ich lachen oder weinen soll.
Die Pubertät war eine schlimme Zeit. Ich bekam eine eigenartige Hauterkrankung: «Erythema annulare centrifugum», meinte ein Facharzt, «Erythema gyratum perstans», ein anderer – prächtige, volltönende, pompöse Wörter, aber keiner der Experten vermochte etwas dagegen auszurichten, und ich war mit nässenden Ekzemen bedeckt. Da ich aussah wie ein Leprakranker, oder es zumindest glaubte, wagte ich nicht, mich im Schwimmbad oder am Strand auszuziehen, und hatte nur gelegentlich das Glück, einen einsamen See oder Tümpel zu finden.
In Oxford wurde meine Haut plötzlich wieder rein, woraufhin meine Erleichterung so groß war, dass ich nackt schwimmen wollte, um zu fühlen, wie das Wasser ungehindert über jeden Teil meines Körpers floss. Manchmal ging ich am Parson’s Pleasure schwimmen, einer Biegung des Cherwell, die seit den 1680er Jahren für Nacktbadende reserviert war und, wie man zu spüren meinte, von den Geistern Swinburns und Cloughs behütet wurde.

Neuerscheinung

Gegen die moderne Welt

Die geheime Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts

Mark Sedgwick

€ 39,10 · Matthes & Seitz Berlin

Bisher kaum bekannt, formierte sich um 1900 eine okkultistische Strömung, um gegen die Moderne zu kämpfen - ihre Anhänger und Ideen prägten nicht nur den frühen italienischen und deutschen Faschismus, sie nahmen auch Einfluss auf den russischen Nationalismus und islamistische Strömungen. Eine intellektuelle Detektivgeschichte auf den Spuren der dunkeln Geister des 20. Jahrhunderts.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit entstanden um die Jahrhundertwende in konservativ-christlichen Milieus Europas esoterische und okkultistische Zirkel, die sich auf mystische Religionsformen des Fernen Ostens und des Islam bezogen und sich zum Ziel gesetzt hatten, die dekadente Moderne mit ihrem Individualismus und Materialismus zu bekämpfen. In seiner großen und packenden Studie über den „Traditionalismus“ rekonstruiert Mark Sedgwick zum ersten Mal diese geheime Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts und zeigt, wie die antidemokratischen Glaubenslehren so verschiedene Zusammenhänge wie die Theosophie, den Thule- und Runenkult der NSDAP, das Denken Mircea Eliades und Julius Evolas Theorien des frühen italienischen Faschismus entscheidend prägten. Dabei ist Sedgwicks Detektivgeschichte in unserer Zeit von erschreckender Brisanz. Nicht nur, dass sich viele Protagonisten des Traditionalismus später zu Strömungen des Islamismus hingezogen fühlten, die von ihnen entwickelte Denkströmung ist heute aus den Hinterzimmern auf die große Weltbühne gerückt: Während der Neo-Traditionalist Alexander Dugin wichtigen Einfluss auf die antimoderne Kulturpolitik Putins hat, gilt Julius Evola als entscheidende Inspirationsquelle für Stephen Bannon und die Alt-Right.

Es war stockfinster, bis auf den Strahl einer Taschenlampe einige Stockwerke über uns. Der Rauch hatte sich mit der Feuchtigkeit vermischt, und noch immer lief und tropfte Wasser. Während ich besorgt die Treppe hinaufstieg, schritt ein Feuerwehrmann an mir vorbei, ich ließ ihn aber wortlos durch, da mein Russisch zu schlecht ist. Bevor ich das Gebäude, in dem ich wohnte, betrat, hatte ich bereits in Erfahrung gebracht, dass das Feuer vom Dachgeschoss ausgegangen war. Obdachlose, hieß es, vom nahegelegenen Kursker Bahnhof. Ich konnte nur hoffen, dass es tatsächlich so war und dass nichts Schlimmeres dahintersteckte. Mein Russisch ist schlecht, aber die Russen, derentwegen ich nach Moskau gekommen war, waren allesamt gebildete Menschen, die mehrere Sprachen beherrschten. »Dugin ist unglaublich gebildet, auf seine Art genial. [...] Man darf nur nicht vergessen, dass all diese Leute ein-hundertprozentig irre sind«, hieß es in einem Nachsatz zu einer E-Mail mit einem Schreiben, mittels dessen mich ein amerikanischer Experte bei einem dieser führenden Köpfe einführte. Er war Sowjetologe gewesen, als es noch eine Sowjetunion gab, und nun war er zum Sammler russischer Monarchisten, Faschisten und »Patrioten« am Rande der russischen Politik geworden. Alexander Dugin hatte sich in den letzten Jahren der UdSSR während seiner Tätigkeit als Straßenfeger perfekt Französisch und ein recht passables Englisch beigebracht sowie zwei oder drei andere europäische Sprachen noch dazu. Sein ehemaliger Verbündeter Eduard Limonow erlernte sein fast perfektes Englisch während seiner Zeit in New York, wo er als sowjetischer Überläufer und regimekritischer Romanschriftsteller lebte. Und was trieb er dort sonst noch? Limonows berühmtestes Buch, Fuck Off, Amerika, war ein eindeutig autobiografisches, gleichzeitig aber auch fiktives Werk. Kurz nachdem ich zum ersten Mal nach Ägypten gezogen war, hatte ich darin ein paar Seiten überflogen und es dann aber aus der Hand gelegt. Seitdem hatte es ungelesen in meinem Regal gestanden. Später, als ich endlich begriffen hatte, warum mir der Name Limonow so bekannt vorkam, kramte ich das Buch wieder hervor und las es, vollkommen fasziniert. Limonow beschreibt die Desorientierung und Ernüchterung des sowjetischen Emigranten, der - auch wenn das System ihn ausstieß - als Dichter in seinem eigenen Land Respekt genoss, aber im Westen weder benötigt noch geachtet wird. Er beschreibt auch die Erfahrung eines jeden Emigranten im Weste, eine Erfahrung, die ich jetzt bei einigen ägyptischen Freunden wiedererkannte und die jeder Dissident macht, nicht nur der sowjetische. Wie ich später erfuhr, hatte das Buch Alexander Solschenizyn nicht sonderlich zugesagt (er bezeichnete Limonow als "kleines Insekt, das Pornografie schreibt").
Das Geräusch tropfenden Wassers ließ allmählich nach, als ich ans obere Ende der Stiege gelangte. Die Wohnung, in der ich untergebracht war, war mehr oder weniger intakt geblieben. In der Küche war der Putz von der Decke gefallen, und auf dem Boden stand das Wasser einen Zentimeter hoch, aber das war alles. Die winzige Katze, die der Freundin meines Gastgebers gehörte, war zwar völlig verschreckt, aber sie hatte überlebt. Die Aufzeichnungen meiner Interviews waren dank der Klarsichthüllen, in denen ich sie aufbewahrte, unversehrt. Alle waren noch lesbar, außer einer einzigen Seite mit Hintergrundinformation zu konservativen Kommunisten und radikalen Demokraten. In jener Nacht kroch die Katze zu mir ins Bett und vergrub sich unter den Decken, zart und weich wie ein Vogel an meinen Bauch.

Neuerscheinung

Das Buch der Schicksale

Lorenzo Spirito

€ 30,00 · Folio

Das legendäre Wahrsagebuch der italienischen Renaissance, erstmals in deutscher Nachdichtung.

Wer möchte nicht sein Schicksal erfahren? Und mit drei Würfeln die eigene Zukunft erfragen? Ob das Leben glücklich verlaufen wird, ob der Partner der richtige ist, die Frau oder der Mann treu ist, ob der Augenblick zum Hausbauen günstig oder eine Krankheit überwindbar ist und – was einem im letzten Stündlein blüht? Lorenzo Spirito hat dafür 1482 im Perugia der Renaissance ein ausgeklügeltes Instrument entwickelt: ein mit prächtigen Holzschnitten ausgestattetes Würfellos- und Wahrsagebuch, das uns auch heute noch auf 20 zentrale Lebensfragen insgesamt 1120 gereimte Antworten liefert. Das Buch spielt mit den Tabus seiner Zeit, mit dem, was die Kirche im 15. Jahrhundert verwerflich fand: das Würfelspiel, die Wahrsagerei, das Interesse an der Astrologie und nicht zuletzt den sinnlosen Zeitvertreib.

Neuerscheinung

Miteinander reden Band 1-4 (Faltschachtel)

Friedemann Schulz von Thun

€ 25,70 · rororo

1 Störungen und Klärungen / 2 Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung / 3 Das "Innere Team" und situationsgerechte Kommunikation / 4 Fragen und Antworten.

Beruf, Beziehung, Alltag: Ständig müssen wir mit anderen kommunizieren. Und immer wieder entstehen dabei Probleme; selbst scheinbar einfache Situationen bergen Tücken. Oft gelingt es nicht, uns verständlich zu machen, geschweige denn, uns durchzusetzen. Und ebenso oft begreifen wir unser Gegenüber nicht. Gespräche werden zum Streit, ohne dass uns so recht klar ist, warum. Friedemann Schulz von Thun zeigt, welche Erkenntnisse die Kommunikationspsychologie bietet, damit wir persönlich und sachlich besser miteinander klarkommen.

Neuerscheinung

Die Sprache des Donald Trump

Bérengère Viennot

€ 18,50 · aufbau

„Wenn Amerika auf seinen Präsidenten schaut, glaubt es sich in einem Zerrspiegel zu sehen. In Wahrheit reflektiert dieser Spiegel eine Wirklichkeit, die es lange verdrängt hat.“ Bérengère Viennot.

Donald Trump ist berühmt für seine vulgäre, sarkastische und konfuse Sprache, die allen Regeln der Grammatik und des Anstands trotzt. Bérengère Viennot übersetzt seine Reden und Beiträge ins Französische und ist dabei mit einem Universum konfrontiert, das sie fassungslos und wütend macht. In ihrem brillanten Essay geht sie dem Phänomen der Trump-Sprache auf den Grund: Wie fließend ist der Übergang von der Brutalität seiner Worte zu seiner Politik? Was sagt die Verrohung seiner Sprache über den Zustand Amerikas aus? Und warum geht uns das alle etwas an?

Ein bissiges und empörtes Buch.“

(FRANCE 5)

Wenn Trump über Diktatoren spricht, scheint er die Tragweite seiner Worte nicht zu ermessen: So erklärte er zum Beispiel am 5. Juli 2016 bei einem Wahlkampfmeeting in Raleigh (North Carolina), wenn es nach ihm ginge, wären Saddam Hussein und Gaddafi, die wenigstens effizient gewesen seien, noch immer an der Macht: »Saddam Hussein war ein schlimmer Typ. Okay. Er war ein schlimmer Typ. Ein echt schlimmer Typ. Aber wisst ihr, was er gut gemacht hat? Er tötete Terroristen.« Diese Stammtischparolen wirken im Mund eines Präsidentschaftsanwärters bedrohlich, doch Trump stand bereits damals dazu und tut es noch immer. »Ich bin ein Nationalist«, ließ er vor den Midterm Elections im Oktober 2018 bei einem politischen Treffen verlauten. »Wir sollten dieses Wort eigentlich nicht gebrauchen«, meinte er hinzusetzen zu müssen und bewies damit, dass er sich über die extreme politische Konnotation des Begriffes im Klaren war. Trump zieht die Diktatur ausdrücklich der Demokratie vor, wenn sie seinen Zielen zuarbeitet. Entsprechend eilig hatte er es, dem neuen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro zu gratulieren, der mit einem autoritären Programm voller Anklänge an die Militärdiktatur gewählt worden war. Versteckt sich dahinter der Versuch, bei Bedarf außerordentliche und freiheitsgefährdende Sicherheitsmaßnahmen (das Pendant unseres Ausnahmezustands) zu rechtfertigen, die allein dem Willen des Staatsoberhaupts unterstehen und sich sowohl über den demokratischen Prozess als auch über die Volksvertreter hinwegsetzen?
In den Worten und Taten des amerikanischen Präsidenten ist die für diktatorische Regimes charakteristische nationalistische Paranoia omnipräsent. Dabei rechtfertigen diese Regimes ihre Mittel stets mit der Notwendigkeit, sich gegen einen vom Staat benannten Feind zu wehren, der manchmal von innen (die Volksfeinde) und oft von außen kommt (die Migranten). Indem er im Oktober 2018 nicht weniger als 5000 Soldaten an der mexikanischen Grenze aufstellen ließ, um die Ankunft einer Kolonne angeblich »hochgefährlicher« honduranischer Migranten zu sichern (die nebenbei gesagt nur bis zur südlichen Grenze Mexikos in Tausenden Kilometern Entfernung gelangte und etwas mehr als 4000 Personen umfasste), indem er versprach, insgesamt »zwischen 10 000 und 15 000 Soldaten« (und damit die dreifache Menge des amerikanischen Aufgebots im Irak) loszuschicken, die angeblich mit echter Munition auf Steine werfende Migranten schießen dürften, zeichnete Trump das Bild eines gefährdeten Landes – und leitete die nötigen Maßnahmen in die Wege, um die Sicherheit seiner Mitbürger zu gewährleisten. Ein Diskurs, der von seiner Regierung bekräftigt wird, wenn Alyssa Farah, die Pressesprecherin des Vize-Präsidenten Mike Pence, von einem »Affront gegen unsere Souveränität« spricht. Eine herbeifantasierte Bedrohung, die möglicherweise jedoch nicht nur Trumps Anhänger, sondern einen Großteil der für Klischees und Vorurteile anfälligen Amerikaner überzeugt.
Auch wenn Amerika keine Diktatur ist, hängt doch ein ungutes Gefühl in der Luft.

Neuerscheinung

Das Glücksdiktat

Und wie es unser Leben beherrscht

Edgar Cabanas & Eva Illouz

€ 15,50 · Suhrkamp

Glück lässt sich lernen. Das will uns die boomende Glücksindustrie weismachen.

Und so explodiert seit den neunziger Jahren die Zahl der Glücksseminare, Glücksratgeber und Happiness-Indizes. Heute liegt es an uns selbst, negative Gefühle zu blockieren, uns selbst zu optimieren und Achtsamkeit zu praktizieren. Dann – so das Heilsversprechen – kommt auch das Glück. Doch was bedeutet es für unsere Gesellschaft, wenn der Staat sich zunehmend nicht mehr für soziale Gerechtigkeit oder ein funktionierendes Gesundheitssystem zuständig fühlt und den Bürgerinnen und Bürgern einer ultra-individualistischen Gesellschaft die gesamte Verantwortung für das eigene Schicksal übertragen wird?

Die israelische Soziologin Eva Illouz und der spanische Psychologe Edgar Cabanas beschreiben in ihrem scharfsinnigen Essay erstmals das gefährliche Potential, das sich hinter der millionenschweren Glücksindustrie verbirgt – und zeigen auf, wer die Nutznießer und wer die Verlierer dieses vermeintlich positiven Trends sind.

Eva Illouz und Edgar Cabanas attackieren mit Bravour die Glücksdiktatur. Ein erbauliches, wichtiges und dringliches Buch.“

(L’Obs) „

Wir kultivieren es, schreiben Theorien und Bücher darüber, geben Kurse und machen ein Business daraus – Glück ist der neue Maßstab, in der Gesellschaft wie im Arbeitsleben.“

(Le Monde)

Nicht alles, was glänzt, ist Gold.

Es stellt sich daher die Frage: Ist das Glück wirklich das größte aller Ziele, nach dem wir alle streben sollten? Vielleicht. Doch mit Blick auf den Diskurs der Glücksforscher sollten wir kritisch sein. Das vorliegende Buch richtet sich nicht gegen das Glück als solches, sondern gegen die allzu simple, aber weitverbreitete Vorstellung vom »guten Leben«, die diese Wissenschaft predigt.
Menschen dabei zu helfen, sich besser zu fühlen, ist ohne Frage löblich. Doch die von ihr angepriesene Idee des Glücks ist äußerst beschränkt, ihre Deutungsansprüche sind fragwürdig, und ebenso sind auch die Ergebnisse dieser Wissenschaft widersprüchlich und die sich daraus ergebenden Konsequenzen fatal.
Unsere Vorbehalte stützen wir auf erkenntnistheoretische, soziologische, phänomenologische und moralische Erwägungen. Die erste Ebene bezeichnen wir als erkenntnistheoretisch, weil wir nach der grundsätzlichen Berechtigung der Glücksforschung als Wissenschaft fragen – und im weiteren Sinne nach der Legitimität des Glücksbegriffs als eines wissenschaftlichen und objektiven Begriffs. Um es freiheraus zu sagen: Die Glücksforschung ist eine Pseudowissenschaft, deren Postulate und Logik sich durchweg als fehlerhaft erweisen. Der pragmatistische Philosoph Charles Peirce hat einmal gesagt, eine Argumentationskette sei nur so stark wie ihr schwächstes Glied; die Glückswissenschaft jedoch stützt sich auf zahllose Annahmen, die jeder Grundlage entbehren. Ebenso weist sie theoretische Ungereimtheiten, methodische Mängel, unbewiesene Resultate und darüber hinaus ethnozentrische und übertriebene Verallgemeinerungen auf. Es verbietet sich also von selbst, unkritisch zu akzeptieren, was diese
Disziplin als wahr und objektiv ausgibt.
Unser zweiter Vorbehalt ist soziologischer Natur. Unabhängig von der Frage nach der Wissenschaftlichkeit der Glücksforschung ist es unerlässlich zu analysieren, welche gesellschaftlichen Akteure die Idee des Glücks für sich nutzen, welchen Interessen und ideologischen Annahmen diese Idee dient und worin die wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen ihrer breitflächigen Anwendung in der Gesellschaft bestehen. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass die wissenschaftliche Behandlung des Glücks und die Glücksindustrie, die um sie herum entstanden ist und gedeiht, ganz erheblich dazu beitragen, die Annahme durchzusetzen, Reichtum und Armut, Erfolg und Scheitern, Gesundheit und Krankheit lägen allein in unserer eigenen Verantwortung. Damit wird zugleich der Vorstellung Vorschub geleistet, es gebe keine strukturellen Probleme, sondern ausschließlich psychologische Defizite, es gebe also, um es mit Margaret Thatchers von Friedrich Hayek inspiriertem Ausspruch zu sagen, keine Gesellschaft, sondern nur Individuen. Die Vorstellung von Glück, wie sie heute von den entsprechenden Forschern und Experten formuliert und gesellschaftlich umgesetzt wird, dient dabei zuallererst der Propagierung ebenjener
Werte, die für die weltweite neoliberale Revolution Pate standen. Diese wurde seit den 1950er Jahren von Ökonomen der Chicagoer Schule und anderen neoliberalen Wirtschaftswissenschaftlern
vorangetrieben. Ihnen gelang es, die Welt davon zu überzeugen, dass die individuelle Glückssuche die lohnendste und einzig realistische Alternative zur Suche nach dem guten Leben für alle darstellt. Thatcher selbst hat es 1981 in einem Interview mit der Sunday Times gesagt: »Mich ärgert an der ganzen politischen Ausrichtung der letzten dreißig Jahre, dass sie immer auf die kollektivistische Gesellschaft abzielte. Die Menschen haben die persönliche Gesellschaft vergessen. […] [D]ie Wirtschaft zu verändern, ist das Mittel, um diesen Denkansatz zu verändern. […] Die Wirtschaft ist die Methode; das Ziel ist es, die Seele zu verändern.« Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass das Streben nach Glück, wie es die Glücksforschung versteht, nicht das höchste und unhinterfragbare Gut ist, das wir alle suchen sollten. Es symbolisiert vielmehr den Triumph der persönlichen (therapeutischen, individualistischen, atomisierten) Gesellschaft über die kollektive Gesellschaft.

Neuerscheinung

Das Böse

Die Psychologie der menschlichen Destruktivität

Reinhard Haller

€ 24,00 · Ecowin

Der Code des Bösen

Tausende Stunden saß der Gerichtspsychiater Reinhard Haller Schwerstverbrechern gegenüber. Dabei hat er erfahren, wie Sadismus und exzessive Gewalt, die ein »normales« Vorstellungsvermögen sprengen, entstehen und warum sie auf diese Weise zur furchtbaren Realität wurden. Wie kein anderer kann Haller die Abgründe des Bösen ausloten und vermessen - und davon erzählen.
Wie entsteht das Böse, wo ist es angelegt, wo, wann und warum wird es ausgelöst und entlädt sich in einer schrecklichen Explosion von Gewalt und Sadismus? Ob es sich nun um ein von langer Hand und mit großer Akribie geplantes und durchgeführtes Schwerverbrechen handelt oder um eine plötzliche Explosion aufgestauter Aggression – Reinhard Haller nimmt Einblicke in die dunklen Bereiche der Täterpsychen, wie sie nur wenigen gewährt werden. Er leuchtet diese Ecken aus und bringt die Anatomie des Bösen zum Vorschein.
Aktualisierte Neuausgabe von Das ganz normale Böse (2009).

Neuerscheinung

Entspannt kochen

Lieblingsrezepte aus Österreich

Eva Rossmann & Manfred Buchinger

€ 30,00 · Pichler

Österreichische Küche geht auch ganz entspannt.

Die Lieblingsrezepte von Manfred Buchinger und Eva Rossmann und als Beilage gibts pointierte Küchengeschichten, Annekdoten und äußerst praktische Menüvorschläge ...
Entspannte österreichische Küche – das geht, da sind sich Geschichtenerzählerin Eva Rossmann und Küchenindividualist Manfred Buchinger einig, auch ganz ohne Heimattümelei, ohne Verherrlichung von Althergebrachtem, ohne Wettstreit über die ausgefallenste Zubereitung und das eine beste Rezept. Hier muss sich niemand anstrengen, denn bei diesen Lieblingsrezepten zählen die guten Augenblicke – beim Kochen, beim Essen, beim Zusammensitzen mit lieben Menschen. Alt und neu gehören dabei zusammen wie Regionales und Saisonales, Deftiges und Leichtes – was die Rezeptauswahl von Altwiener Backkarpfen bis Schwarzbeernocken beweist.