Rezensionen
Jule




Luft nach oben
In „Gegenspieler“ von Arno Strobel und Ingo Bott treffen mit Max Bischoff und Anton Pirlo zwei Protagonisten aufeinander, die auf den ersten Blick gar nicht zusammenpassen. Doch schnell rutschen beide in einen Fall, den sie nur zusammen lösen können. Und so beginnt eine Zusammenarbeit, die manchmal auf etwas unkonventionelle Mittel zurückgreift.
Ich bin mit hohen Erwartungen und großer Vorfreude in die Geschichte gegangen, da ich Max Bischoff schon kannte und auf Pirlo sehr neugierig war. Ich habe auf eine wirklich spannende und abwechslungsreiche Handlung gehofft und diese – leider – über weite Strecken nicht bekommen.
Oft wurde sich, auf zu viele unwichtige Dinge fokussiert, die keinen wirklichen Mehrwert für die Geschichte hatten. Kam mal kurz Spannung auf, so verschwand sie recht schnell, da an einer anderen Stelle weiter gemacht wurde. So bleiben auch nach dem Ende, das mich nicht wirklich überzeugt hat, noch Fragen offen. Man kann nur Vermutungen anstellen und wird nie genaue Gründe erfahren.
Zudem war doch recht deutlich spürbar, dass zwei Autoren zusammengeschrieben haben, da die Schreibstile oft ziemlich auseinander gingen und die einzelnen Protagonisten, wie zum Beispiel Max Bischoff, sich nicht so entfalten konnten, wie man es aus anderen Büchern kennt.
Dennoch war es interessant zu sehen, wie sich die Dynamiken der Protagonisten entwickeln und mehr über sie zu lernen. Bischoff und Pirlo stehen klar im Vordergrund, trotzdem waren es die Nebenprotagonisten, die die Geschichte noch aufgewertet haben.
Wie schon erwähnt waren die Schreibstile unterschiedlich, das heißt aber nicht, dass die Geschichte schlecht zu lesen war, ganz im Gegenteil: Durch einfache Formulierungen und die Perspektivwechsel kam man oft recht schnell voran, oder wäre schnell vorangekommen, wenn die Handlung besser gewesen wäre.
Aber vielleicht lag es auch an der ganzen Steuer und Finanzenthematik, die mich nie ganz gepackt hat. Da gab es ein paar Erklärungen und theoretische Dinge zu viel. Da hätte ich lieber Ermittlungen und überraschende Dinge gesehen.
Schlussendlich herrscht hier definitiv noch Luft nach oben. Manche Passagen haben mich Unterhalten, aber insgesamt fehlte es einfach an Spannung. Auf den letzten 20 Seiten ist gefühlt mehr passiert als im gesamten Buch. Stand jetzt würde ich einem weiteren Band noch eine Chance geben, weil die Ansätze, die hier zu sehen waren, einfach gut sind und eine andere Thematik Bischoff und Pirlo bestimmt mehr schmeichelt.
Daggy




Erzwungene Zusammenarbeit
Auf dem Cover sind die beiden Autoren zu sehen, vielleicht gibt es da sogar eine gewissen Ähnlichkeit zwischen ihnen und ihren Figuren? Max Bischoff, der ehemalige Polizist lehrt an der Düsseldorfer Universität und ermittelt privat weiter. Als ein bekannter Anwalt ihn engagiert, will er zunächst ablehnen. Doch aus privaten Gründen sagt er dann doch zu. Da die Tochter des Anwalts in einer Kanzlei zusammen mit den Rechtsanwalt Anton Pirlo arbeitet, ergibt es sich, dass sie beiden Männer zusammen ermitteln sollen. Beide sind sehr unterschiedlich, vor allem ihre Vorgehensweisen weich sehr stark voneinander ab. Pirlo handelt sehr impulsiv und seine Kontakte zu einem Clanmitglieder, den er Bruder nennt, bleiben undurchsichtig. Rechtsanwalt Mahler will beweisen, dass sein Partner Müller keinen Suizid begangen hat, sondern dass er ermordet wurde. Als dann auch noch eine anders Partnerin der Kanzlei unter ungeklärten Umständen stirbt, wird Mahler zum Verdächtigten. Wollte er verhindert, dass die beiden über das von ihnen erdachte Steuersparmodel TaxEx aussagen?
Bisher konnte sich Max immer auf seinen alten Kollegen Böhmer verlassen, der noch als Kriminalkommissar tätig ist, aber der mauert und verweist auf „ganz oben“, was auch immer das bedeutet. Er warnt seinen alten Freund den Fall nicht weiter zu verfolgen, aber der kann nicht damit umgehen, dass ein Mörder frei herumläuft.
Leider ziehen sich die Ermittlungen in die Länge und die Dialoge der beiden Ermittler kamen bei mir nicht so spritzig rüber. Einiges bleibt weiter um Dunkeln, sicher, um beim nächsten Teil noch eine Rolle zu spielen. Der Plot ist durch aus gut angelegt und es fehlt auch nicht der Show-down am Ende, aber so richtig begeistern könnten mich die beiden Herren nicht.
Was ich hingegen toll fand, war die Idee, das Cover, wie ein Geschenk aufzubauen indem das Hinterteil des Covers nach vorne gefaltet das Buch verschließt.

